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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

12. Geschichte

am 30. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel um ein Fass Bier wettete

Das Küsteramt gefiel Till so gut, dass er es mit großer Freude verrichtete. Durch seine Vorliebe für Jahrmärkte und Kirmes war er im Gesang geübt. Die frommen Lieder schmetterte er mit einer Inbrunst, dass sich die Bauern darüber freuten.
Als der Pfarrer eines Tages vor dem Altar stand und sich auf die Messe vorbereitete, geschah es, dass ihm ein Furz entfuhr. Der Darmwind hallte in der Kirche wider, dass die Magd vor Schreck zusammenfuhr.
Till rümpfte die Nase und fragte: „Soll das etwa Euer Weihrauch für den Herrn sein?“
Dem Pfarrer war diese Frage alles andere als angenehm. Er räusperte sich und antwortete schroff: „Das hier ist meine Kirche und in dieser kann ich tun und lassen was ich will. Selbst wenn ich einen Haufen mitten hinein scheiße, ist das allein meine Sache.“
Diese Rede ließ Till bübisch grinsen.
„Auf das Ihr Euch dies nicht traut, wette ich ein Fass Bier.“
Der Pfarrer warf sich sogleich in die Brust.
„Ach ja?“ tönte er. „Die Wette gilt.“
Entschlossen bot er seine Hand und Till schlug ein.
Schnurstracks ging er ein paar Schritte in den Raum, hob das Messgewand, ging in die Hocke und schiss, von lautstarken Darmwinden begleitet, auf den Boden.
Die Magd wendete dieser Predigt angewidert den Rücken zu.
Nachdem der Pfarrer sein Geschäft verricht hatte, erhob er sich und zeigte stolz auf den stattlichen Haufen.
„Sieh, mein lieber Knecht“, sprach er, „du schuldest mir ein Fass Bier.“
Till entgegnete nichts darauf, sondern begann die Kirche mit gleichmäßigen Schritten in Länge und Breite auszumessen. Als er damit fertig war, zeigte er auf den Mittelpunkt.
„So leid es mir tut, lieber Herr, ihr habt nicht in die Mitte geschissen. Schon in der Länge fehlt ein Viertel. So wie es aussieht habe ich gewonnen.“
Nun riss der wütenden Magd der Geduldsfaden. Sie stemmte die Fäuste in die Seiten und keifte: „Es ist eine Schande, Herr Pfarrer, eine riesige Schande! Jagd diesen ekelhaften Flegel fort oder Ihr werdet ein schlechtes Ende nehmen.“
Der Pfarrer winkte ab: „Wettschulden sind Ehrenschulden.“ Er sagte Till das Fass Bier gleich nach der Messe zu.
An diesem Tag sang Till nicht nur anständig laut, sondern er bemühte sich auch und hielt den Ton.

11. Geschichte

am 22. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel zwei Hühner briet

Nach einer längeren Wanderung kam Till wieder in die Gegend von Braunschweig. In dem Dorfe Buddenstedt kannte man Till und seine Schelmereien noch nicht und so kam es, dass der Pfarrer des Dorfes Gefallen an ihm fand. Der gute Mann suchte einen Knecht und versprach Till einen guten Dienst bei gleicher Kost wie für sich und die Magd. Zudem sicherte er zu, dass alles mit halber Arbeit zu erledigen sei.
Das gefiel Till. Er nahm mit Handschlag an und sprach: „Ich will mich gewissenhaft nach euren Worten richten.“
Den Haushalt in der Pfarrei führte eine einäugige Magd. Sie mochte Till von Anfang an nicht und misstraute ihm. Als es zwei Hühner zu braten gab, stellte sie ihn an den Herd und trug ihm auf, den Bratenspieß zu drehen.
Till tat wie ihm geheißen. Fleißig wendete er die Vögel über dem Feuer, so dass sie nicht verbrannten. Wie er da so stand und drehte, sah er zu, wie sie immer knuspriger wurden. Der leckere Bratenduft stieg ihm immer fordernder in die Nase. Im begann das Wasser im Maule zusammenzulaufen. Er hielt es nicht mehr aus und riss sich einen Flügel ab. Flink hatte er ihn verspeist und bis auf die Knochen abgenagt. Nun war er aber erst auf den Geschmack gekommen.
„Mit einem Flügel lässt sich nicht gut fliegen“, sprach er für sich und brach sich den anderen Flügel ab. Allerdings konnte das Tills Gieper nicht stillen.
„Ob das Huhn gut durchgebraten ist oder nicht, prüft man am besten, wenn man hineinbeißt“, legte er fest und riss sich auch eine Keule ab. Schmatzend verschlang er das dampfende Fleisch und ließ sich die würzige Haut schmecken. Nun musste er jedoch feststellen, dass der Vogel völlig zerfleddert aussah.
„So geht das nicht. Die einäugige Magd merkt sofort, dass hier etwas nicht stimmt.“
Beherzt nahm sich Till die andere Keule und verschlang sie ohne zu zaudern. Damit war die Ungleichmäßigkeit beseitigt, doch einen wirklich guten Anblick bot das invalide Huhn nicht. Jetzt kam Till wieder in den Sinn, dass ihm der Pfarrer eine gleiche Kost wie für sich und die Magd versprochen hatte.
„Ach was“, sagte Till, „ich würde den braven Gottesmann doch Lügen strafen, wenn ich mir nicht meinen versprochenen Teil nehme. Folglich ist es weise gehandelt, wenn ich das eine Huhn ganz aufesse.“
Gesagt, getan und schon bald war das Huhn, bis auf die blankgenagten Knochen, in Tills Magen verschwunden. Noch leckte er sich die Finger, als die Magd in die Küche kam und zu ihm an den Herd trat.
„Es waren doch vorhin noch zwei Hühner auf dem Spieß“, sprach sie, „jetzt ist es nur noch eines da. Wo ist das andere geblieben?“
Till verwunderte sich sehr über ihre Rede
“Warum öffnet ihr nicht beide Augen, liebe Frau, dann würdet ihr auch beide Hühner sehen.“
Darüber erboste sich die Magd.
„So ein Schelm“, schimpfte sie und begab sich gleich zum Pfarrer, um sich bei ihm über den frechen Knecht zu beschweren.
Der Pfarrer zeigte sich verärgert und kam mit seiner Magd sogleich in die Küche.
„Weshalb treibst du Schabernack mit meiner Magd?“ wollte er von Till wissen.. „Ich sehe sehr wohl, dass nur ein Huhn auf dem Spieß steckt, obwohl es zuvor zwei waren.“
„Da habt ihr wohl recht, Herr“, entgegnete Till.
Nun war der Pfarrer verdutzt.
„Ja, wenn vorher zwei Hühner auf dem Spieß waren, wo ist dann aber das andere geblieben?“
Till grinste pfiffig.
„Aber das andere Huhn steckte doch auf dem Spieß, Herr. Ihr müsst nur beide Augen öffnen, dann seht ihr es. Genauso sagte ich es der Magd, darauf wurde sie wütend.“
Als der Pfarrer dies vernahm, musste er lachen.
„Du bist mir ein rechter Schelm“, gluckste er, „dann ist eben nur das eine Huhn da und das andere ist weg. Aber erkläre mir, wo ist das zweite geblieben?“
Nun konnte sich Till nicht mehr herausreden.
„Es ist tatsächlich so“, sprach er, „dass ich das eine Huhn gegessen habe. Ich tat es deshalb, weil Ihr mir versprochen habt, dass ich bei Euch genauso gut essen dürfe, wie Ihr und Eure Magd. Hättet Ihr die Hühner nun ohne mich verspeist, ohne dass ich etwas abbekäme, so wäret ihr ein Lügner. Das wollte ich nicht zulassen und aß das Huhn auf.“
Da dem Pfarrer die gewitzte Ausrede zusagte, beließ er es bei folgender Belehrung: „Es geht mir wahrlich nicht um das eine Huhn, mein lieber Knecht. Allerdings möchte ich, dass du nun immer das tust, was meine Magd gerne sieht.“
Till versprach, sich genau nach den Worten des Pfarrers zu richten. Die Gelegenheit dafür sollte er dann auch bald bekommen. Er erledigte alles halb, was ihm die Einäugige auftrug. Er holte nur zwei statt vier Scheite für den Herd oder brachte den Eimer Wasser nur zur Hälfte gefüllt. Ein Maß Bier ließ er in der Wirtschaft nur halb füllen und so setzte er es in einem fort.
Die Magd fühlte sich auf den Arm genommen. Sie ließ es sich Eulenspiegel gegenüber nicht anmerken, aber dem Pfarrer gegenüber beschwerte sie sich von Mal zu Mal. Als die Klagen dann zu heftig wurden, sah sich der Pfarrer genötigt, Till ins Gebet zu nehmen.
„Mein lieber Knecht“, begann er, „die Magd beklagt sich Tag für Tag über dich. Bat ich dich nicht, alles so zu tun, wie sie es gerne sieht?“
Till zeigte sich verzweifelt, als er anhob, darauf zu antworten: Aber ja, Herr Pfarrer, so habe ich es getan. Erstens hattet Ihr mir versprochen, alles könne mit halber Arbeit erledigt werden. Zweitens solle ich tun, wie Eure Magd sieht. Ihr eines Auge jedoch kann sicher nur die Halbe Arbeit sehen.“
Da der Pfarrer selbst einem Spaß nicht abgeneigt war, wollte er Till nicht gram sein. Jedoch war mit der Magd nun kein gutes Auskommen mehr.
„Herr Pfarrer“, rief sie mit bebender Stimme, „ich kann mit diesem lächerlichen Buben keinen weiteren Tag mehr unter einem Dach verweilen. Entweder Ihr trennt Euch von ihm oder von mir.“
Dies wollte der Pfarrer natürlich nicht. Da vor kurzem der Küster des Dorfes verstorben war, ging er zu den Bauern und verhandelte mit ihnen, damit er seinen Knecht für diese Stelle berufen konnte. Nach einigem hin und her kamen sie überein und Till wurde Kirchendiener in Buddenstedt.

10. Geschichte

am 16. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie sich Eulenspiegel Henep mit Senep verwechselte

Auf seinem Weg kam Till an einer Burg vorbei. Es war Mittag und ihm knurrte schon seit einiger Zeit der Magen. So ließ ihn sein Hunger auf den Gedanken kommen, sich auf der Burg zu verdingen. Der Junker suchte auch gerade einen neuen Hofjungen und so kam ihm Till gerade recht.
Am nächsten Tag sollte Till mit seinem neuen Herrn ausreiten und ihm die Lanze nachführen. Als sie ein Stück Weges hinter sich gebracht hatten, kamen sie an einem Feld vorbei. Der Junker wendete sich an Hofjungen und fragte: „Ist dir das Kraut bekannt, das hier steht?“
Till wusste wohl, das es Hanf war und in dieser Gegend Henep genannt wurde.
Der Junker hob bedeutungsvoll den Finger und sprach: „Wenn du, egal wo, auf Henep triffst, dann scheiß hinein. Aus dem Bast dieses Krautes werden die Stricke für Räuber und andere Galgenvögel gefertigt.“
Till sagte zu, sich an das Wort seines Herrn zu halten, zumal dieser selbst aus Gewohnheit stahl und plünderte.
Es kam einmal vor, dass es für Till nichts zu tun gab. Ziellos streunte er auf der Burg herum und irgendwann bekam er aus Langeweile Appetit. Also schlich er sich in die Küche und schaute nach, ob es einen Happen zu ergattern gab. Der Koch erwischte ihn jedoch und spannte ihn sofort ein, dass er einen Topf Senep hole. Nun kannte Till Senep nicht und wusste auch nicht, wozu dieser taugte. Als er den Topf nun aus dem Keller holte, glaubte er der Koch hätte sich versprochen und Henep gemeint. So stellte Till den Topf auf den Boden, hockte sich darüber und schiss hinein. Danach rührte er alles um und brachte es dem Koch in die Küche. Der gab es ahnungslos zu den Speisen, die er für das Gelage des Junkers mit seinen Gästen zubereitete.
Im Saal an der langen Tafel ging es hoch her. Die Gäste aßen und tranken. Scherzworte flogen hin und her. Herzhaft tunkten die Herrschaften das Fleisch in den Senf, bevor sie es sich in den Mund steckten. Die ersten wunderten sich über den merkwürdigen Geschmack. Dann begannen sie das Zeug voller Ekel auszuspucken.
Erbost rief der Junker nach dem Koch und forderte ihn auf, von dem Senf zu kosten.
Der nahm einen fingervoll, doch als er es auf der Zunge hatte, begann er es auszuspeien.
„Das… das schmeckt, als… als hätte jemand hineingeschissen“, stotterte er.
Till konnte nicht anders, als laut aufzulachen.
Aufgebracht wendete sich der Junker an seinen Jungen und forderte von ihm, ebenfalls eine Probe zu nehmen.
Angeekelt entgegnete Till: „Wozu soll ich das Zeug probieren, Herr, denn ich weiß, wonach es schmeckt. Ich selbst habe auf Euer Geheiß hineingemacht. Ihr selbst sagtet mir, ich solle in den Henep scheißen, wo…“
Wutentbrannt nahm der Junker sein Messer, um damit auf Till loszugehen.
„Warte mein Bürschchen“, rief er, „dir werde ich’s zeigen. So dumm wie du, kann keiner sein.“
Till wartete nicht, bis ihn der Junker schnappte. Wieselflink huschte er davon und verließ die Burg auf schnellstem Wege.

9. Geschichte

am 07. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel in einem Bienenstock nächtigte

Des schönen Wetters wegen begaben sich Eulenspiegel und seine Mutter zu einem Jahrmarkt in eines der benachbarten Dörfer. Sie waren guter Dinge und so hielt sich die Mutter mit Vorhaltungen gegenüber ihrem Sohn zurück.
Die Leute kamen aus der ganzen Umgebung. Auf dem Dorfplatz waren Buden aufgebaut und es wurde allerlei Zeug verkauft. Eine Weile ging Till noch mit seiner Mutter, doch bald fand er eine andere Richtung und landete in einem Wirtshaus. Es wurde getrunken, gewürfelt und getanzt. Auch Till schwang mit einer drallen Magd das Tanzbein, doch viel lieber hob er den Bierkrug. Die Zeit verging und es wurde Abend. Sonst um kein Wort verlegen, spürte Till die Müdigkeit und das Necken und Spaßen fiel ihm zunehmend schwerer. Er ging hinaus und hielt nach einem Ort, wo er ungestört ein Nickerchen halten konnte, Ausschau. In einem Bauerngarten fand er einige leere Bienenkörbe aufgereiht. Er überlegte nicht lange und kroch in einen, den er für den bequemsten hielt. Bald darauf schlief er ein.
Zur Mitternacht, als die Leute schon längst nach Hause gegangen waren, schlichen zwei Diebe durch das Dorf. Der Mond stand hoch und so fanden sie sich gut zurecht. Als sie die Bienenkörbe sahen, blieben sie stehen.
„He, lass uns von dem Honig nehmen“, flüsterte der eine.
„Gut, dann holen wir uns den schwersten Korb, denn darin wird der meiste Honig sein“, wisperte der andere zurück.
Nacheinander hoben sie die Bienenkörbe an, bis sie auf den mit Till darin stießen.
„Der hier ist der beste“, stellten die zwei gemeinsam fest.
Sie steckten den Korb auf einen kräftigen Stock. Der eine fasste vorne, der andere hinten an und sie hoben die Last gemeinsam auf ihre Schultern. So schlichen sie sich aus dem Dorf hinaus.
Till, der darüber wach geworden war, verhielt sich mucksmäuschenstill und dachte nach, was er tun sollte.
Bald legten sich Wolken vor den Mond und es wurde stockfinster.
Die Diebe stolperten und fluchten. Da kam Till ein Gedanke. Er streckte vorsichtig die Hand heraus und griff dem Vordermann kräftig ins Haar.
„Warum ziehst du mir an den Haaren?“ rief der und strauchelte.
„Du träumst wohl. Pass lieber auf, wohin du trittst“, entgegnete der andere.
Dieser Streit war ganz nach Tills Gefallen. Nach einer Weile fingerte er nach dem Bart des Hintermannes und riss derb daran.
„Bist du von Sinnen!“ brüllte der stolpernd.
„Was willst du?“ fragte der andere gereizt.
„Du hast mir am Bart gezogen“, schimpfte der Hintermann.
„Wie soll ich nach hinten greifen und dir am Bart ziehen können?“ wollte der Vordermann wissen.
Die Worte flogen hin und her. Die Unflätigkeiten nahmen zu und die beiden gerieten immer mehr gegeneinander in Zorn. Dann warf der eine den Stock von der Schulter, so dass der andere mitsamt der Last fast in den Weggraben gestürzt wäre. Nun war kein Halten mehr, die beiden Diebe gingen aufeinander los. Blindlings zimmerten sie sich die Fäuste ins Gesicht.
Till, der mit dem Bienenstock einigermaßen sanft in den trockenen Graben gepurzelt war, lachte sich heimlich ins Fäustchen.
Die Streithähne prügelten sich weiter, bis einer von ihnen wegzulaufen begann. Das Schimpfen des anderen hallte noch einige Zeit durch die Nacht, bis auch das verstummte.
Till, dessen Kopf vom Bier noch immer brummte, kauerte sich in dem Korb zusammen und schlief bis zum Morgen seinen Rausch aus.
Als er dann, vom Vogelgezwitscher geweckt, aus seinem Nachtquartier hervor kroch, besann er sich eine Weile. Auf dem Weg fand er noch einen Zahn. Dann kam er zu einem Entschluss. Er wollte sein zu Hause verlassen. Es war ihm einfach zu eng dort. Ohne weiter zu zögern nahm er den Weg, auf den ihn die beiden Strauchdiebe gebracht hatten.

8. Geschichte

am 28. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie sich Eulenspiegel an dem Geizkragen rächte

Gleich am Tage nach dem Schlachtfest begegnete Till dem geizigen Bauern. Der blieb grinsend auf der anderen Straßenseite stehen und rief höhnisch: „He, Eulenspiegel, wann kommst du mal wieder zu einem Weckenbrot vorbei?“
Heimlich knirschte Till mit den Zähnen, doch lächelte er, als würde er die Striemen auf dem Rücken nicht mehr spüren. „Ich werde kommen“, rief er zurück; „wenn sich deine Hühner um ein Stück Brot zanken.“
Der Geizkragen stutzte, doch dann winkte er selbstgefällig ab.
„Ach was, Eulenspiegel, darauf kannst du lange warten.“
Till wurmte diese Antwort und er wollte den Mann nicht beruhigt ziehen lassen.
„Sei gewiss, dass ich komme, auch wenn die Zeit für das Weckbrot noch nicht heran ist.“
Kopfschüttelnd ließ der Bauer Eulenspiegel stehen und ging nach Hause.
An einem der folgenden Tage lag Till vor dem Haus des Geizkragens gut versteckt auf der Lauer. Er wartete, bis dessen Hühner ihr Futter auf der Straße suchten. Für diesen Fall hatte er zwanzig Schnüre zugeschnitten und jeweils zwei kreuzweise miteinander verknotet. An jedes Ende der Schnüre war ein Stückchen Brot gebunden. Geschickt hatte er seine Fallen ausgelegt. Als nun die Hühner die Brotstücken auf der staubigen Straße entdeckten, stürzten sie sich gierig darüber und pickten sie auf. Doch so sehr sie auch schluckten, immer stand ihnen ein anderes Huhn entgegen und zerrte ihnen den Bissen wieder aus dem Schlund. So plagten und rackerten sie sich gackernd ab, ohne das eines den Bissen herunterbekam. Dies währte solange, bis das Federvieh völlig ermattet und an Erschöpfung verendete war.
Sich ins Fäustchen feixend schlich Till darauf nach Hause.
Als der geizige Bauer am Abend dann nach seinen Hühnern schaute, sah er sie nicht auf ihrer Stange. Er wunderte sich und ging sie suchen. Vor seinem Haus sah er dann die Bescherung. Vierzig Hühner, jedes mit einer Schnur im Schnabel, lagen vor ihm im Staub. Ihm schwante, dass nur Eulenspiegel dies getan haben konnte. Wütend schüttelte er seine Fäuste und schimpfte wie ein Rohrspatz.

7. Geschichte

am 21. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel zum Essen geprügelt wurde

Seit langem pflegte man in dem Dorf, in dem Till mit seiner Mutter wohnte, einen schönen Brauch. Wenn ein Schwein geschlachtete wurde, musste dessen Besitzer den jungen Leuten des Ortes das Weckbrot geben. Dies war eine warme Suppe mit Wurst und eingebrocktem Brot.
In dem Dorf gab es einen Geizkragen, der sich über diesen alten Brauch ärgerte. Wenn er den Kindern die freie Kost schon nicht verweigern konnte, so wollte er sie ihnen jedoch gründlich verargen. Schon lange vor dem Schlachtfest begann er altbackenes Brot zu sammeln. Er tat es in einen Bottich, bis dieser am Tag des Schlachtens voll war. Wie es nun der Brauch war, kamen an diesem Tage die jungen Leute aus der Umgebung und forderten ihr Weckbrot ein. Verstellt freundlich empfing sie der Bauer und bat sie zu sich herein. Als er hinter ihnen die Tür fest verschlossen hatte, goss er über das alte Brot die dampfende Wurstbrühe. Heimlich grinsend forderte er nun die Kinder auf, sich etwas von dem Weckbrot zu nehmen. Alle hatten Hunger und schlugen kräftig zu. Zum Ende jedoch wurde es zuviel und sie schafften den Bottich nicht. Darauf hatte der Bauer gewartet. Er griff nach einer Gerte. Wollte eines der Kinder den Löffel zur Seite legen, gab es eins auf den Buckel. Dabei lachte der Knauser laut, wobei er ganz besonders auf Till Eulenspiegel ein Auge geworfen hatte. Dem Schelm wollte er nun seine Schalkheiten austreiben. So viele Hintern er auch versohlte, Till bevorzugte er ganz besonders. Erbarmungslos trieb der Knauser die Kinder immer wieder an den Trog. Dies tat er solange, bis dieser restlos ausgelöffelt war. Den Kindern bekam dieses Weckbrot, wie dem Hund das Gras. Sie hielten sich jammernd den schmerzenden Leib, wobei sie nicht wussten, ob ihnen die Bäuche oder die Hintern mehr wehtaten. Mit Kotzen und Ekelfieber plagten sie sich die ganze Nacht hindurch. Till musste noch lange seine Striemen kurieren, die in allen Farben sein Hinterteil zierten.
Der Knauser dagegen war zufrieden. Er brauchte seitdem kein Weckbrot mehr auszugeben.

6. Geschichte

am 12. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel einen Bäcker prellte

Während sich Till die brennende Wange rieb, dachte er bei sich; Lieber Gott, hilf mir, dass ich für die Mutter zum Abend Brot bekomme, dann wird sie sehen, dass ich recht hatte.
Ohne sich weiter mit den Schuhen aufzuhalten, erhob er sich und verließ das Haus. Er ging nach Helmstedt, wo ein vermögender Bäcker seinen Laden betrieb. Till betrat das Haus des Bäckers und stellte sich bei ihm als Knecht eines wohlbekannten, reichen Herrn aus Magdeburg vor. Er behauptete, dieser sei in der besten Herberge der Stadt abgestiegen und wünsche für zehn Schilling Weizen und Roggenbrot.
„Ich brauche euren Lehrjungen“, behauptete Till selbstbewusst, „damit er mir beim Tragen hilft und in der Herberge das Geld entgegennehmen kann.“
Erfreut über das gute Geschäft, zählte ihm der Bäcker die gewünschten Brote in einen Sack, den Till mitgebracht hatte. Dieser Sack besaß ein Loch, das Till geschickt mit der einen Hand verschlossen hielt. Als er nun zusammen mit dem Lehrjungen den Laden verlassen hatte und ein Stück Weges gegangen war, ließ er durch das Loch eines der Brote in den Dreck fallen. Till blieb stehen und sprach zum Jungen: „So kann ich unmöglich meinem Herrn das Brot bringen. Lauf zurück zu deinem Meister und tausche das schmutzige Brot. Ich will hier so lange auf dich warten.“
Arglos tat der Lehrling, wie ihm geheißen. Als er jedoch mit dem getauschten Brot zurückkam, war Eulenspiegel verschwunden. Dem Jungen wurde flau im Magen, denn ihm ging nun auf, dass er über den Löffel barbiert wurde. Mit eingezogenem Kopf ging er zu seinem Meister zurück und erzählte ihm vom Verschwinden des Knechtes. Ohne viel Worte bekam er eins hinter die Ohren und der Bäcker selbst machte sich auf den Weg in die Herberge. Dort jedoch wusste man nichts von einem reichen Herrn aus Magdeburg. Der Bäcker raufte sich die Haare und verfluchte lauthals den niederträchtigen Betrüger.
Till war mittlerweile schon ein gutes Stück Weges weit weg von Helmstedt. Er wurde von einem Pferdekarren überholt, der in Richtung seines Dorfes unterwegs war. Ohne zu fragen, warf er den Brotsack auf das Gefährt und ging ein Liedchen pfeifend hinterher. Kurz bevor er zu Hause ankam, nahm er den Sack wieder vom Karren. Froh gelaunt betrat er seine Wohnung. Sogleich kam die Mutter und wollte ihm Vorhaltungen machen. Da packte er den Sack vor ihr aus und sprach: „Iß, wenn du hast. Faste wenn du musst.“

5. Geschichte

am 05. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel seine Mutter verärgerte

Wie Till dort saß und die Schuhe reparierte, erwachte in seiner Mutter neue Hoffnung. Sie dachte bei sich, vielleicht wird aus dem Jungen doch noch etwas anständiges. Eifrig sprach sie auf ihn ein und versuchte ihm den einen oder anderen Beruf schmackhaft zu machen. Handwerk hat goldenen Boden, sprach sie immer wieder, doch Till schwieg und nähte still an den Schuhen weiter.
„Weißt du, mein Sohn“, sagte seine Mutter, „es wäre doch schön, wenn du ein Schuhmacher würdest. Schuhe werden immer gebraucht. Vielleicht beim Meister Bertram, der sucht noch einen Lehrjungen.“
Till schwieg und arbeitete, als hätte er nichts gehört.
Darüber wurde seine Mutter zornig.
„Du Taugenichts“, schimpfte sie, „andere Mütter haben Kinder, die für sie im Alter sorgen. Mein Sohn dagegen lässt mich verhungern.“
„Lass gut sein, Mutter“, entgegnete Till seelenruhig, „gut Ding will eben Weile haben.“
Diese Gelassenheit brachte sie nun erstrecht auf.
„Du bist nicht nur ein Faulpelz, sondern auch ein Vielfrass“, schimpfte sie, „Du hast dir heute morgen den letzten Kanten Brot genommen. An mich hast du dabei nicht gedacht. Den lieben langen Tag verbringst du damit, dir schlechte Scherze auszudenken. Wie willst du durchs Leben kommen?“
Till kam ganz nach seiner Mutter und wollte nicht nachgeben. So schaute er von seiner Arbeit auf und spulte seine Sprüchlein herunter.
„Iß, wenn du hast. Faste, wenn du musst. Siehst du, liebe Mutter, am Morgen hast du gefastet, nun sorge dich nicht und warte auf den Abend, der dir den Tisch decken wird.“
Dies brachte seine Mutter nur noch mehr auf und sie geriet derart in Rage, dass sie ihm eine schallende Ohrfeige verpasste.
„Das ist der Lohn fürs Fasten!“ schrie sie und ging in die Küche.

4. Geschichte

am 28. Januar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel eine Rauferei anstiftete

Das unfreiwillige Bad wurmte Till derart, dass ihn der Gedanke an Rache nicht losließ. So verstrich nicht viel Zeit, bis er sich eine Schelmerei ausgedacht hatte. Dieses Mal musste er darauf achten, dass ihm nicht wieder ein Strich durch die Rechnung gemacht werden konnte. So befestigte er das Seil an einer Stelle am Giebel, wohin es seiner Mutter nicht möglich war zu gelangen.
Gerade war Till mit seinen Vorbereitungen fertig, als auch schon die ersten Neugierigen herbeigelaufen kamen. Es begann ein Lärmen und Lachen, denn die Leute erinnerten sich noch zu gut an Eulenspiegels Sturz ins Wasser.
Lacht ihr nur, dachte Till bei sich und begann seine Rede: „Ich werde euch heute ein Kunststück vorführen, wie euch noch keines vor Augen gekommen ist. In vielen Jahren noch werdet ihr euren staunenden Kindern und Kindeskindern davon berichten. Eines jedoch brauche ich dafür. Jeder der jungen Burschen muss mir seinen linken Schuh geben. Nun, wenn ihr das Kunststück sehen wollt, dann gebt sie mir her.“
Eine solche Mitwirkung gefiel den Jungen jedoch wenig. Sie begannen Till zu beschimpfen. Die neugierige Menge jedoch konnte die Verführung kaum noch abwarten. So drängten die älteren die jungen Burschen, sich hurtig von ihrem linken Schuh zu trennen.
Nicht lange und Till hatte über hundert linke Schuhe beisammen. Ihm sprang in Erwartung auf seinen Schabernack das Herz vor Freude. Hurtig zog er die Schuhe auf eine lange Schnur. Damit stieg er dann auf sein Seil.
Die Leute sahen gespannt zu ihm auf und fragten sich, was er mit all den Schuhen zu tun gedachte.
Till breitete die Arme aus, dass die Schuhe um ihn herumbaumelten. Noch einmal balancierte er das Seil rauf und runter, dann blieb er in der Mitte stehen. Er schaute auf sein Publikum herab und rief: „Passt auf, ihr Leute, merke sich jeder seinen Schuh.“
Darauf ließ er das eine Ende der Schnur los und die Schuhe fielen, wie sie aufgereiht waren, herab. Am Boden purzelten sie dann alle durcheinander.
Zuerst waren die Leute wie vor den Kopf gestoßen. Das währte jedoch nicht lange und sie stürzten sich auf den Schuhhaufen. Ein dichtes Gedränge bildete sich. Jeder war um sein Eigentum besorgt. Ein dichtes Gedränge entstand und es kam zu Rempeleien. Schrie einer: „Mein Schuh!“, brüllte der andere: „Halts Maul, das ist meiner. Es dauerte nicht mehr lange und es kam zu den ersten Schlägereien unter den Jungen. Bald konnten die Alten nicht mehr an sich halten. Trotz der Absicht, Ordnung zu schaffen, stifteten sie nur noch ein größeres Durcheinander. Es setzte Backpfeifen und Kopfnüsse.
Gut gelaunt saß Till auf seinem Seil und sah dem Handgemenge zu.
„He, ihr Tölpel“, rief er von oben, „das habt ihr davon, mich zu verspotten.“
Kaum einer hörte ihn und nach einer Weile schlüpfte er unbemerkt in sein Haus. Vier Wochen lang verließ er die Wohnung nicht, denn die Dorfbewohner zürnten ihm sehr. Zur Wiedergutmachung begann er ihnen jedoch brav die Schuhe zu flicken. Darüber freute sich besonders seine Mutter, denn sie wusste nicht, weshalb es für ihren Sohn nicht ratsam war, vor die Tür zu gehen. Sie schöpfte neue Hoffnung und begann wieder an das Gute in ihm zu glauben.

3. Geschichte

am 19. Januar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel vom Seil stürzte

Till konnte von seine Streichen und Tollereien nicht lassen. Bald kam die Familie darüber in Verruf und niemand wollte mehr etwas mit ihnen zu tun haben. So zog Claus Eulenspiegel mit Weib und Kind aus Kneitlingen fort. Nicht weit von Helmstedt, in dem Dorfe, aus dem Tills Mutter stammte, fanden sie eine neue Bleibe. Kaum jedoch hatten sie ihren Hausrat herbeigeschafft und sich einigermaßen eingerichtet, da wurde Claus Eulenspiegel krank und starb. Der Familie fehlte der Ernährer. Nicht lange und die Armut kehrte bei ihnen ein. Es fehlte am Nötigsten. Dazu sträubte sich Till auch noch, ein Handwerk zu erlernen. Dabei war er schon Sechzehn. Es gefiel ihm jedoch viel besser, in den Tag hinein zu leben und sich immer wieder neue Streiche auszudenken.
Eines Tages kam er auf den Gedanken, ein Seiltänzer zu werden. Er, hoch über den Köpfen der Leute, wobei ihm diese staunend zujubelten. Hinter seinem Hause floss ein Bach, an dessen anderem Ufer ein Baum stand. Dort hinüber wollte Till ein Seil spannen. Auf diesem könnte er dann die verschiedensten Kunststücke vorführen. Als er seiner Mutter von dieser Absicht erzählte, drohte ihm diese ohne viel Umschweife Prügel an, würde sie ihn dabei erwischen. Sie wollte keinen Gaukler zum Sohn haben.
Till dachte nicht daran, von seinem Entschluss abzulassen. Heimlich übte er auf dem Dachboden. Seine Mutter kam ihm jedoch auf die Schliche. Mit einem großen Holzlöffel bewaffnet, stahl sie sich leise nach oben und ging auf ihn los. Er war jedoch flinker und flüchtete durch das Fensterloch hinaus aufs Dach. Dort dachte er dann bis zum Abend darüber nach, wie er weiter vorgehen sollte.
Eines Tages, als die Wogen sich etwas geglättet hatten, spannte er tatsächlich das Seil über den Bach. Eine Weile turnte er darauf herum und es dauerte nicht lange, bis die Leute neugierig herbeikamen. Staunend reckten sie die Hälse und gafften. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch seine Mutter davon Wind bekam. Die schlich sich voller Ärger darüber, dass sie diese Posse nicht hatte verhindern können, auf den Dachboden und schnitt das Seil ab. Kopfüber stürzte Till in den Bach. Es platschte laut und das Wasser spritzte zu allen Seiten, dass die Leute vergnügt aufschrieen. Als Till patschnass aus dem Bach stieg, war er das Ziel von Hohn und Spott. Vor allem die Jungen stichelten ihn.
„He, Eulenspiegel“, riefen sie, „wie bekommt dir das Bad. Hast ja lange genug darum gerungen.“
Wie ein begossener Pudel ging er in das Haus, wo er dann auch noch von seiner Mutter eine ordentliche Maulschelle einfing.
Wutschnaubend verkroch er sich und dachte darüber nach, wie er es den Dorfbewohnern doppelt und dreifach zurückzahlen konnte.