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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

18. Geschichte

Wie Eulenspiegel Brot vermehren wollte

Für jeden Anlass hatte Till eine Redewendung parat.
„Treue bringt Brot“, pflegte er gerne zu sagen, wenn er den Lohn für eine Schelmerei kassierte. Was sollte ihn zu einem rechtschaffenen Handwerk treiben, wenn das Geld doch auf der Straße lag? Man musste nur die Augen offen halten, um es auch zu sehen. Solcher Redensarten wegen glaubten viele, Till sei eine Weiser. Doch eines Tages schlug er sich selbst mit einem seiner Sprüche ein Schnippchen.
In dem Jahr, als es Till nach Halberstadt verschlug, hielt der Frost schon recht früh Einzug. Er fror erbärmlich und in seiner Tasche verlor sich ein einsamer Schilling. Bald gesellte sich auch noch der Hunger zu ihm. Der begann jedoch bald seine Gedanken zu beflügeln. Er überlegte, wie er mit seinem letzten Vermögen Wucher treiben könnte. Wie er so in seinem Kopf die verschiedenen Sprüchlein abspulte, kam ihm der eine in den Sinn: „Wer Brot hat, dem gibt man Brot.“
Wie gedacht, so getan. In Halberstadt suchte er den nächsten Bäcker auf und kaufte vier Brötchen im Wert zu je drei Witten. Mit diesen ging er auf den Markt, wo er vor dem Dom einen verwaisten Tisch vorfand. Auf diesem breitete er sein erworbenes Backwerk aus. Sogleich begann er die vorüberziehenden Leute anzusprechen und versuchte ihnen weiszumachen, dass zu dem feilgebotenen Gebäck bald neues hinzukäme. Das währte jedoch nicht lange, denn ein großer Hund näherte sich ihm neugierig und schnappte sich eines der Brötchen. Das wollte sich Till nicht gefallen lassen und er sprang dem Hund hinterher. Dabei fiel der Tisch um und die Brötchen kullerten über den Boden. Eine Sau, die in der Nähe mit ihren Ferkeln nach Nahrung suchte, kam sogleich herbei und teilte sich mit ihrer Nachkommenschaft die auf dem Boden verteilten Reste.
Als Till zu seinem Stand zurückkehrte und die Schererei sah, hob er die Arme und lachte.
„Jetzt sehe ich es selbst“, rief er, „das Sprüchlein, wonach Brot zu Brot kommen soll, ist Unsinn.“
Ihm fiel jedoch sofort eine neue Redensart ein und er sprach: „Aus leeren Säcken kann eben niemand Geld zählen.“
Mit einem Kratzfuß verbeugte er sich vor dem Dom und machte sich mit knurrendem Magen weiter auf den Weg nach Braunschweig.

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