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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

17. Geschichte

Wie Eulenspiegel Kranke heilte

Auf seiner Wanderung verschlug es Till auch einmal nach Nürnberg. An allen öffentlichen Gebäuden, wie Rathaus und Kirchen, hängte er einen Zettel, auf dem stand, dass er ein berühmter Medikus sei, der alle Krankheiten heilen könne.
Im Jahre 1332 war gerade das Hospital „Zum Heiligen Geist“ fertig geworden. Kaum das die Betten im großen Saal standen, füllten sie sich auch schon mit Hinfälligen und Siechen. Bald gab es keinen freien Platz mehr. Einige Lagerstätten waren sogar mit zwei Kranken belegt, so dass die Pfleger alle Hände voll zu tun hatten.
Dem Vorsteher des Spitals kam bald auch einer der Zettel von Eulenspiegel unter die Augen. Er machte sich sofort auf den Weg zum Wunderdoktor, denn er wünschte sich weniger Patienten mit mehr Gesundheit in seinem Spital. Als er Till sein Anliegen vorgebracht hatte, erklärte sich dieser sofort bereit, für ein Endgeld von 200 Gulden alle Kranken dazu zu bringen, die Betten zu verlassen. Wenn ihm dies nicht gelänge, wolle er für seine Aufwendungen auch keinen Pfennig haben. Das gefiel dem Vorsteher und er schlug in den Handel ein. Damit Till seine Können so schnell wie möglich unter Beweis stellte, zahlte er ihm zwanzig Gulden im Voraus. Das spornte Till mächtig an und er schnappte sich sogleich einen der Knechte, mit dem er sich zum Hospital begab.
Im Krankensaal schlug den Ankömmlingen das ganze Elend entgegen. Die Luft war voll mit Gestank und Wehklagen. Als die Kranken den vermeintlichen Wunderdoktor erblickten, wurde es still. Jeder wog sich in der Hoffnung, dass ihm bald geholfen wurde.
Till ging nun jedes der Betten ab und sprach zu seinen Patienten: „Die Krankheit, die Euch befallen hat, ist von einer Beschaffenheit, dass es nur eine Möglichkeit der Rettung gibt. Einen von euch muss ich zu Pulver verbrennen, damit ich aus diesem und weiteren Ingredienzien eine Medizin für die anderen mischen kann. Wenn ich morgen in der Frühe wiederkomme, werde ich rufen; Wer gesund ist, der trete hinaus! Ihr solltet dann zusehen, so schnell wie möglich ins Freie zu gelangen, denn wer liegen bleibt, den verbrenne ich zu Pulver, denn er ist der Kränkeste von allen. Verpasst meinen Ruf also nicht und sagt es keinem weiter.“
Zusammen mit dem Vorsteher kam Till am nächsten Morgen zurück. Er baute sich neben der Tür auf und rief laut: „Die Gesunden stehen auf und verlassen das Hospital.“
Mit einem Mal kam Leben unter die Siechen. Sie erhoben sich unter Stöhnen und Jammern von ihren Betten. Mühsam humpelten und krochen die Kranken zum Ausgang. Niemand wollte als Letzter zurückbleiben. Als sich dann der Saal geleert hatte und sich keiner von den Kranken mehr in dem Gebäude aufhielt, breitete der Vorsteher voller Freude seine Arme aus und dankte dem Wunderdoktor für dessen Dienst. Endlich durfte er sich ausruhen und konnte den Tag genießen. Till wurde jedoch schon unruhig und drang auf die Auszahlung seines Lohnes. Der Vorsteher war kein Knauser und gab ihm die restlichen 180 Gulden. Kaum hatte Till das Geld in seinem Gepäck, da sattelte er auch schon auf und verließ Nürnberg auf schnellstem Wege.
Dem Vorsteher war kein langes Glück beschieden. Schon nach einer Stunde kehrten die ersten Kranken zurück und bevor die Sonne unterging, war das Hospital wieder dicht bevölkert.
Bekümmert schritt der Vorsteher zwischen den Betten entlang. Dann beugte er sich zu einem der Kranke herab und fragte: “Sage mir, wie kann es sein, dass ihr auf des Wunderdoktors Geheiß wegginget, obwohl er euch doch nicht geheilt hat.“
Der Alte berichtete nun die Geschichte mit dem Pulver.
Zornesröte verfärbte das Gesicht des Vorstehers. Er schüttelte die Fäuste und verfluchte den betrügerischen Doktor bis in alle Ewigkeit. Die Kranken hatte er wieder, doch das Geld war auf Nimmerwiedersehen verloren.

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