7. Geschichte
Wie Eulenspiegel zum Essen geprügelt wurde
Seit langem pflegte man in dem Dorf, in dem Till mit seiner Mutter wohnte, einen schönen Brauch. Wenn ein Schwein geschlachtete wurde, musste dessen Besitzer den jungen Leuten des Ortes das Weckbrot geben. Dies war eine warme Suppe mit Wurst und eingebrocktem Brot.
In dem Dorf gab es einen Geizkragen, der sich über diesen alten Brauch ärgerte. Wenn er den Kindern die freie Kost schon nicht verweigern konnte, so wollte er sie ihnen jedoch gründlich verargen. Schon lange vor dem Schlachtfest begann er altbackenes Brot zu sammeln. Er tat es in einen Bottich, bis dieser am Tag des Schlachtens voll war. Wie es nun der Brauch war, kamen an diesem Tage die jungen Leute aus der Umgebung und forderten ihr Weckbrot ein. Verstellt freundlich empfing sie der Bauer und bat sie zu sich herein. Als er hinter ihnen die Tür fest verschlossen hatte, goss er über das alte Brot die dampfende Wurstbrühe. Heimlich grinsend forderte er nun die Kinder auf, sich etwas von dem Weckbrot zu nehmen. Alle hatten Hunger und schlugen kräftig zu. Zum Ende jedoch wurde es zuviel und sie schafften den Bottich nicht. Darauf hatte der Bauer gewartet. Er griff nach einer Gerte. Wollte eines der Kinder den Löffel zur Seite legen, gab es eins auf den Buckel. Dabei lachte der Knauser laut, wobei er ganz besonders auf Till Eulenspiegel ein Auge geworfen hatte. Dem Schelm wollte er nun seine Schalkheiten austreiben. So viele Hintern er auch versohlte, Till bevorzugte er ganz besonders. Erbarmungslos trieb der Knauser die Kinder immer wieder an den Trog. Dies tat er solange, bis dieser restlos ausgelöffelt war. Den Kindern bekam dieses Weckbrot, wie dem Hund das Gras. Sie hielten sich jammernd den schmerzenden Leib, wobei sie nicht wussten, ob ihnen die Bäuche oder die Hintern mehr wehtaten. Mit Kotzen und Ekelfieber plagten sie sich die ganze Nacht hindurch. Till musste noch lange seine Striemen kurieren, die in allen Farben sein Hinterteil zierten.
Der Knauser dagegen war zufrieden. Er brauchte seitdem kein Weckbrot mehr auszugeben.
17 April 2010 um 05:44
Danke für die Geschichten. Dann werde ich öfter mal vorbeischauen, um zu sehen, ob es Geschichten über Eulenspiegel gibt, die ich noch nicht kenne. Ich wünsche Dir, dass Du nicht die Lust verlierst.
17 April 2010 um 09:17
Nee, die verliere ich nicht!