6. Geschichte
Wie Eulenspiegel einen Bäcker prellte
Während sich Till die brennende Wange rieb, dachte er bei sich; Lieber Gott, hilf mir, dass ich für die Mutter zum Abend Brot bekomme, dann wird sie sehen, dass ich recht hatte.
Ohne sich weiter mit den Schuhen aufzuhalten, erhob er sich und verließ das Haus. Er ging nach Helmstedt, wo ein vermögender Bäcker seinen Laden betrieb. Till betrat das Haus des Bäckers und stellte sich bei ihm als Knecht eines wohlbekannten, reichen Herrn aus Magdeburg vor. Er behauptete, dieser sei in der besten Herberge der Stadt abgestiegen und wünsche für zehn Schilling Weizen und Roggenbrot.
„Ich brauche euren Lehrjungen“, behauptete Till selbstbewusst, „damit er mir beim Tragen hilft und in der Herberge das Geld entgegennehmen kann.“
Erfreut über das gute Geschäft, zählte ihm der Bäcker die gewünschten Brote in einen Sack, den Till mitgebracht hatte. Dieser Sack besaß ein Loch, das Till geschickt mit der einen Hand verschlossen hielt. Als er nun zusammen mit dem Lehrjungen den Laden verlassen hatte und ein Stück Weges gegangen war, ließ er durch das Loch eines der Brote in den Dreck fallen. Till blieb stehen und sprach zum Jungen: „So kann ich unmöglich meinem Herrn das Brot bringen. Lauf zurück zu deinem Meister und tausche das schmutzige Brot. Ich will hier so lange auf dich warten.“
Arglos tat der Lehrling, wie ihm geheißen. Als er jedoch mit dem getauschten Brot zurückkam, war Eulenspiegel verschwunden. Dem Jungen wurde flau im Magen, denn ihm ging nun auf, dass er über den Löffel barbiert wurde. Mit eingezogenem Kopf ging er zu seinem Meister zurück und erzählte ihm vom Verschwinden des Knechtes. Ohne viel Worte bekam er eins hinter die Ohren und der Bäcker selbst machte sich auf den Weg in die Herberge. Dort jedoch wusste man nichts von einem reichen Herrn aus Magdeburg. Der Bäcker raufte sich die Haare und verfluchte lauthals den niederträchtigen Betrüger.
Till war mittlerweile schon ein gutes Stück Weges weit weg von Helmstedt. Er wurde von einem Pferdekarren überholt, der in Richtung seines Dorfes unterwegs war. Ohne zu fragen, warf er den Brotsack auf das Gefährt und ging ein Liedchen pfeifend hinterher. Kurz bevor er zu Hause ankam, nahm er den Sack wieder vom Karren. Froh gelaunt betrat er seine Wohnung. Sogleich kam die Mutter und wollte ihm Vorhaltungen machen. Da packte er den Sack vor ihr aus und sprach: „Iß, wenn du hast. Faste wenn du musst.“