4. Geschichte
Wie Eulenspiegel eine Rauferei anstiftete
Das unfreiwillige Bad wurmte Till derart, dass ihn der Gedanke an Rache nicht losließ. So verstrich nicht viel Zeit, bis er sich eine Schelmerei ausgedacht hatte. Dieses Mal musste er darauf achten, dass ihm nicht wieder ein Strich durch die Rechnung gemacht werden konnte. So befestigte er das Seil an einer Stelle am Giebel, wohin es seiner Mutter nicht möglich war zu gelangen.
Gerade war Till mit seinen Vorbereitungen fertig, als auch schon die ersten Neugierigen herbeigelaufen kamen. Es begann ein Lärmen und Lachen, denn die Leute erinnerten sich noch zu gut an Eulenspiegels Sturz ins Wasser.
Lacht ihr nur, dachte Till bei sich und begann seine Rede: „Ich werde euch heute ein Kunststück vorführen, wie euch noch keines vor Augen gekommen ist. In vielen Jahren noch werdet ihr euren staunenden Kindern und Kindeskindern davon berichten. Eines jedoch brauche ich dafür. Jeder der jungen Burschen muss mir seinen linken Schuh geben. Nun, wenn ihr das Kunststück sehen wollt, dann gebt sie mir her.“
Eine solche Mitwirkung gefiel den Jungen jedoch wenig. Sie begannen Till zu beschimpfen. Die neugierige Menge jedoch konnte die Verführung kaum noch abwarten. So drängten die älteren die jungen Burschen, sich hurtig von ihrem linken Schuh zu trennen.
Nicht lange und Till hatte über hundert linke Schuhe beisammen. Ihm sprang in Erwartung auf seinen Schabernack das Herz vor Freude. Hurtig zog er die Schuhe auf eine lange Schnur. Damit stieg er dann auf sein Seil.
Die Leute sahen gespannt zu ihm auf und fragten sich, was er mit all den Schuhen zu tun gedachte.
Till breitete die Arme aus, dass die Schuhe um ihn herumbaumelten. Noch einmal balancierte er das Seil rauf und runter, dann blieb er in der Mitte stehen. Er schaute auf sein Publikum herab und rief: „Passt auf, ihr Leute, merke sich jeder seinen Schuh.“
Darauf ließ er das eine Ende der Schnur los und die Schuhe fielen, wie sie aufgereiht waren, herab. Am Boden purzelten sie dann alle durcheinander.
Zuerst waren die Leute wie vor den Kopf gestoßen. Das währte jedoch nicht lange und sie stürzten sich auf den Schuhhaufen. Ein dichtes Gedränge bildete sich. Jeder war um sein Eigentum besorgt. Ein dichtes Gedränge entstand und es kam zu Rempeleien. Schrie einer: „Mein Schuh!“, brüllte der andere: „Halts Maul, das ist meiner. Es dauerte nicht mehr lange und es kam zu den ersten Schlägereien unter den Jungen. Bald konnten die Alten nicht mehr an sich halten. Trotz der Absicht, Ordnung zu schaffen, stifteten sie nur noch ein größeres Durcheinander. Es setzte Backpfeifen und Kopfnüsse.
Gut gelaunt saß Till auf seinem Seil und sah dem Handgemenge zu.
„He, ihr Tölpel“, rief er von oben, „das habt ihr davon, mich zu verspotten.“
Kaum einer hörte ihn und nach einer Weile schlüpfte er unbemerkt in sein Haus. Vier Wochen lang verließ er die Wohnung nicht, denn die Dorfbewohner zürnten ihm sehr. Zur Wiedergutmachung begann er ihnen jedoch brav die Schuhe zu flicken. Darüber freute sich besonders seine Mutter, denn sie wusste nicht, weshalb es für ihren Sohn nicht ratsam war, vor die Tür zu gehen. Sie schöpfte neue Hoffnung und begann wieder an das Gute in ihm zu glauben.