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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

22. Geschichte

Wie sich Eulenspiegel als Turmbläser verdingte und Missfallen erregte

Nachdem Till Uelzen schleunig den Rücken gekehrt hatte, verschlug es ihn bald nach Bernburg. Es war im Jahr 1334, als er dort beim Grafen von Anhalt auf dem Schlosse eine Anstellung fand. Die Stelle des Turmbläsers war gerade frei geworden und so hielt sich Till für nicht zu fein, diese anzunehmen. Er bekam eine Kammer in dem Bergfried und sollte dafür in der Umgebung nach Feinden Ausschau halten. Für den Fall vor ihnen zu warnen, besaß er ein großes Blashorn.
Da saß Till nun auf seinem Turm in einer zugigen Kammer und sah sich die Augen wund. Mit der Zeit wurde es ihm langweilig und so begann er sich immer mehr für das Geschehen in der Burg zu interessieren. Dabei fielen ihm besonders die Speisen und Getränke auf, die von der Küche in das Hauptgebäude getragen wurden. Bei einem Fest, das der Graf mit seinen Rittern feierte, bog sich die Tafel unter den üppig aufgetragenen Krügen und Schüsseln voller Bier, Braten und Brot. An einem Spieß drehte sich über dem Feuer ein Ochse, dessen Bratenduft zu Till hinaufstieg. Er hielt die Versuchung nicht mehr aus und begab sich auf die andere Seite des Turmes und ließ seinen Blick gelangweilt über die Landschaft schweifen. Er sah, wie fremde Reiter aus der Ferne herankamen und das Vieh, welches vor der Stadt weidete, mit sich nahmen. Hätte sich der Hirtenjunge nicht auf die Burg gerettet und von dem Diebstahl berichtet, wäre der Raub auf der Burg unbemerkt geblieben. Als nun der Graf davon erfuhr, stellte er Till wütend zur Rede und wollte von ihm wissen, weshalb er den Feind nicht anblase. Eulenspiegel war um keine Ausrede verlegen und entgegnete: „Vor dem Essen tanze ich nicht gern. Ich darf auch keine Feinde mehr heranblasen, seht nur, das Feld ist schon voll von ihnen und ein Teil ging schon mit dem Vieh davon. Wollte ich noch mehr heranblasen, würden sie euch sicher noch das Tor einschlagen.“
Der Graf fluchte und ließ seine Reiter aufsitzen, um die Viehdiebe zu stellen. Es gelang ihnen und sie konnten sogar das gestohlene Vieh zurückholen. In Siegerlaune kehrten sie auf die Burg heim. Das Fest wurde nun noch ausgelassener fortgesetzt.
Till war vergessen und saß vor Hunger schmachtend in seinem Turm. Ihm knurrte der Magen und leckte der Zahn. Gerade als man unten im Hof den Ochsen über dem Feuer anschneiden wollte, blies er aus voller Brust ins Horn und rief: „Feinde! Feinde rücken an!“
Der Graf und die Seinen sprangen auf und warfen sich in wilder Eile in die Harnische und stürzten auf ihren Pferden zum Tor hinaus.
Till lief behände die Treppe hinab und setzte sich an die Tafel auf den Platz des Grafen. Er nahm sich vom Gebratenen, Gesottenen und trank, wie es ihm beliebte. Als er dann kein Stück mehr herunterbekam, trollte er sich und stieg wieder auf seinen Turm.
Nicht lange und der Graf kehrte mit seinen Reitern zurück. Zornentbrannt kam er unter den Turm und schüttelte die Fäuste.
„Du verdammter Schalk, was bläst du ‚Feind in Sicht’ wenn keiner zu sehen ist?“
Till blieb ruhig und entgegnete: „So manche List wurde durch den Hunger erdacht. Zudem tat ich Euch nur einen Gefallen, lieber Herr. Heißt es nicht, viel Feind, viel Ehr? So gedachte ich Euch der Feinde viele herbeizublasen.“
Die Hofleute forderten, dass Till für seine Bosheit bestraft werden solle, denn sie vermuteten Verrat. Dem Grafen war das alles nicht geheuer und so ließ er Till in Ruhe. Doch als Turmbläser berief er nun einen seiner Diener. Till nahm er dafür unter seinen Fußknechten auf, damit dieser sich im Kampf gegen die Feinde beweisen konnte.
Das Kriegspielen begeisterte Till jedoch wenig, um nicht zu sagen, es war ihm zuwider. So nahm es nicht Wunder, dass er, wenn es gegen den Feind ging, als Letzter das Tor verließ. Ging es jedoch heim, war er stets der erste, der auf der Burg erschien.
Das blieb dem Grafen nicht verborgen und bald stellte er Till zur Rede.
„Wie könnt Ihr mir deshalb zürnen“, entgegnete Eulenspiegel beherzt, „bin ich doch in Eurem Dienst schwach und kraftlos geworden, da ich so lang auf dem Turme saß und hungern musste. Wenn Ihr mich die Zeit, die ich dort schmachtete, nachholen und an Eurer Tafel essen und trinken lasst, dann will ich der erste am Feinde sein. Der Schuh weiß, wo der Strumpf die Löcher hat.“
Der Graf rollte mit den Augen, dann aber schluckte er seinen Zorn herunter und sprach: „Du hast deinen eigenen Kopf, Eulenspiegel. Sieh dich vor, dass du ihn auch auf den Schultern behältst.“
Till wusste, dass es hier klüger war zu schweigen.
Länger wollte der Graf seinen Fußknecht auch nicht behalten und entließ ihn aus seinem Dienst.

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