1. Geschichte
Wie Eulenspiegel geboren und dreimal getauft wurde
Mitten im grünen Wald des Höhenzuges Elm, östlich von Braunschweig, liegt das Dorf Ampleben. Vor gut siebenhundert Jahren saß dort der gefürchtete Burgherr, Till von Uetzen, auf seinem Raubschloss. Keine Viertelstunde Weges davon entfernt lag der Flecken Kneitlingen. Hier wohnte Claus Eulenspiegel.
In dem Jahr, als Papst Bonifatius VIII. in Rom das erste christliche Jubeljahr verkündete, genas Claus Eulenspiegels Weib, Anna Wibeken, an einem Jungen. Der Vater war voller Stolz und es kam ihm in den Sinn, dass er für seinen Sohn etwas Besonderes tun müsse. So verfiel er dem Gedanken, dass sein Kind den Namen Till des Herr von Uetzen erhalten müsse. Er machte sich also auf den Weg ins Schloss und so kam es dass der Burgherr der Taufpate des Jungen wurde.
Die Taufe des Kindes, welches nun einen solchen wohlhabenden und gefürchteten Namensvetter besaß, musste gebührend gefeiert werden. Als man die Schlosskapelle, in der das Kind vom Abt des Braunschweiger Aegidienklosters, Arnold Papenmeyer, getauft worden war, verließ, begab man sich sogleich ins Wirtshaus. Dort ließ Claus Eulenspiegel für seine Gäste reichlich auftragen. Das gute Braunschweiger Bier floss in Strömen. Kanne um Kanne wurde auf das Wohl des Kindes geleert. Es war eine fröhliche Gesellschaft und zum Abend gab es keinen, der sich ohne Schwanken auf den Beinen halten konnte. Im Dunkeln ging es dann zurück nach Kneitlingen. Der Weg dorthin führte an einem Tümpel vorbei. In der Dunkelheit und dem Fackelschein, kam es immer wieder vor, dass einer der Gäste vom Wege abkam und in den Graben purzelte. Gerade als man den Tümpel passierte, verlor die Hebamme, die Till Eulenspiegel auf dem Arm trug, den Tritt und stürzte koppheister in das schlammige Gewässer. Ein Aufschrei ging durch die Gesellschaft. Der Vater war sogleich zur Stelle, um zusammen mit ein paar helfenden Händen die Frau samt dem Kinde aus dem moderigen Wasser zu ziehen. Es war zum Glück nichts weiter geschehen, als dass die beiden nass geworden waren. Sie stanken erbärmlich nach dem faulen Uferschlamm. Stracks ging es nach Hause, wo sogleich ein Kessel mit Wasser über das Feuer gehängt wurde, um dem Jungen ein warmes Bad zu bereiten. Nachdem das Kind gebadet und frisch gewickelt war, konnte man es wieder mit Wohlgefallen anschauen und beriechen.
So war es geschehen, dass der kleine Till an einem Tage dreimal getauft wurde; zuerst in der Schlosskapelle, dann im Drecktümpel und schließlich im warmen Wasser des Badebottichs.