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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

Archiv des Monats April 2010

15. Geschichte

am 21. April 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel einen Arzt heilte

Magdeburgs Bischof kam aus dem Hause der Grafen von Querfurt und hieß Burkhard. In diesem Amt war er der Dritte seines Namens. Er galt als rücksichtsloser Mann, dessen Streben allein auf die Erweiterung seines Erzstiftes gerichtet war. Die Magdeburger lagen immer wieder im Streit mit ihm, besonders, weil er ihnen auf das Bier eine hohe Steuer gelegt hatte.
Burkhard, der von Tills Streich in Magdeburg gehört hatte, ließ diesen zu sich auf die Burg Giebichenstein rufen. Er amüsierte sich köstlich über dessen Narreteien. Im Gegenzug gewährte er ihm Kost und Logis. Auch das Gefolge und die Dienerschaft des Bischofs mochten Till. Bei seinen Späßen leisteten sie ihm gerne Gesellschaft, denn er brachte etwas Kurzweil in ihren Alltag.
Am Hofe des Bischofs gab es einen Arzt. Dieser hielt sich für sehr gelehrt und verachtete das Gesinde wegen seiner Unwissenheit. In seinem Hochmut riet er dem Bischof eines Tages, nur weise Leute um sich zu sammeln und die Toren davonzujagen. Dieser Vorschlag gefiel Burkhard nicht und er entgegnete, auf seiner Burg müsse niemand die Schalksnarren ertragen, schließlich werde niemand dazu gezwungen.
Das war dem Arzt nicht genehm. Er empörte sich und sprach mit erhobener Stimme: „Ein Narr passt zu Narren, wie ein Weiser zu Weisen passt. Sage mir, mit wem du umgehst, dann sage ich dir, wer du bist.“
Die umstehenden Höflinge waren über diese Rede sehr gekränkt. Einer von ihnen sprach: „Vom Narren lernt der Kluge seine Weisheit.“
Als der Arzt gegangen war, kamen der Bischof und seine Ritter übereins, dass sie dem blasierten Wichtigtuer diesen Satz beweisen wollten. So wurde Till gerufen und Burkhard beauftragte ihn, dem hochnäsigen Medikus einen Streich zu spielen. Das ließ sich Till nicht zweimal sagen, er nahm den Auftrag dankend an. Ganze vier Wochen hielt er sich darauf vom Hofleben fern. In dieser Zeit heckte er seinen bösen Plan aus.
Jedem war bekannt, dass der Arzt des öfteren kränkelte und unter Leibschmerzen litt. Dies wollte sich Till zunutze machen. Er verkleidete sich und kehrte als Wunderdoktor an den Hof zurück. Der Arzt durchschaute den Schwindel nicht und als er unter besonders heftigen Schmerzen litt, bat er den Doktor zu sich. Till war in seinem Element und er spielte seine Rolle mit viel Inbrunst. Der Arzt war von seiner Beredsamkeit beeindruckt und begann ihm blind zu vertrauen. Nun sah Till seine Zeit gekommen. Als erstes verordnete er dem Arzt eine anständige Schweißkur. Diese sei nötig, da er am Schweiß des Patienten dessen Krankheit erkenne. Statt einer schweißtreibenden Arznei verabreichte Till dem Arzt jedoch ein Abführmittel. Dies hätte selbst einem Stier die Gedärme hinausgetrieben. Als nächstes legte Till einen hohlen, mit Katzendreck gefüllten Stein auf das Fensterbrett. Zu guter Letzt teilte er sich mit dem Arzt das Bett, um, wie er vorgab, den Schweiß besser begutachten zu können. Dafür legte er sich an die Wand.
Die folgende Nacht sollte der Arzt sein Lebtag nicht vergessen. Drehte er sich zur Wand, furzte ihm Till in die Nase. Kehrte er sich zum Fenster um, verschlug ihm der Katzendreck im Stein den Atem. Zudem begann das Abführmittel zu wirken und ihn begann heftiges Bauchkneifen zu plagen. Bald konnte er es nicht mehr aushalten und beim Versuch, einen Darmwind fahren zu lassen, schiss er sich von oben bis unten zu. Von erbärmlichen Krämpfen geschüttelt wälzte er sich im eigenen Dreck. Seine Kräfte ließen immer mehr nach. Bald vermochte er kaum noch den Kopf zu heben. Erst jetzt stieg Till aus dem Bett und verließ das Zimmer, in dem es mittlerweile wie im Schweinekoben stank.
Am nächsten Morgen kamen der Bischof und sein Hof, um sich nach dem Befinden des Arztes zu erkundigen. Der war vollkommen geschwächt und stöhnte vor sich her.
Der Bischof fragte ihn, wie es ihm die Nacht über ergangen sei.
Mit gebrochener Stimme erzählte der Arzt: „Von dem Wunderdoktor erhoffte ich mir endlich Hilfe, aber ich bin einem betrügerischem Schurken aufgesessen.“
Unter Tränen schilderte er dem Bischof und seinen Höflingen die Qualen, die er hatte ausstehen müssen.
Die Gesellschaft hatte während seiner Darstellung kaum an sich halten können. Als er dann am Ende war, begann der Erste zu lachen und alle anderen folgten seinem Beispiel. Letztendlich brach ein schallendes Gelächter aus. Vor allem der Bischof konnte sich kaum bändigen. Es dauerte eine Weile, bis er wieder sprechen konnte, doch dann sagte er: „Euch ist nach eigenen Worten geschehen. Wer mit Narren zu Bett geht, steht mit Narren auf. Trotz allem zieht Eure Lehre daraus und bedenkt: Wo alle weise sind, dort erkennt man den Weisen nicht.“
Dem hochmütigen Arzt blieb nun nichts weiter übrig, als zu schweigen. Seitdem durfte er sich nicht mehr über Narren beklagen. Die Leibschmerzen blieben ihm jedoch wie eh und je erhalten.
Bischof Burkhard war jedoch kein langes Bleiben auf dieser Welt beschieden. Der Arzt rächte sich für seine Demütigung. Kaum ein Jahr später verriet er seinen Herrn an die Magdeburger, so dass diese den Bischof in einen Hinterhalt locken und gefangen nehmen konnten. Am 29. August 1325 erschlug ein Wächter Burkhard III. im Zorn.

14. Geschichte

am 14. April 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel erklärte, fliegen zu können

Seines Küsteramtes ledig, trieb es Till wieder über das Land. Bis nach Magdeburg war es nicht weit und als er sich dort in einer Herberge niederließ, sprachen sich seine Gaukeleien recht bald herum. Eines Abends baten ihn wohlhabende Bürger an ihren Tisch und wollten, dass er von seinen Fahrten berichtete. Das ließ sich Till nicht zweimal sagen. Während sie ihn reichlich mit Braten und Bier traktierten, gab er eine Geschichte nach der anderen zum besten. Es wurde gelacht und bald wollte man, dass er auch in Magdeburg eine seiner Vorstellungen gab. Zum Anfang zierte sich Till noch ein wenig, als ihm dann aber das Bier langsam zu Kopfe stieg, schlug er letztendlich ein. Bald ganz in seinem Element, erhob er sich und sprach: „Ich werde euch ein Kunststück zeigen, liebe Leute, wie ihr es noch nie gesehen habt. Vergesst nur nicht, allen in dieser Stadt zu sagen, dass ich morgen zur zweiten Stunde nach dem Mittag vom Dach des Rathauses fliegen werde.“
Tills Ankündigung verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Magdeburg. Am nächsten Tag war der Marktplatz vor dem Rathaus schwarz von Menschen. Selbst in den Nebenstrassen drängten sie sich noch. Neugierig reckten sie die Hälse und traten sich auf die Füße. Als dann die Glocke zur zweiten Stunde schlug, wurde es ganz still.
Till kam durch ein Dachfenster geklettert und stellte sich auf den Giebelsims. Eine Weile sah er schweigend auf die Leute herab, die ihrerseits gespannt zu ihm hinaufschauten. Dann stellte er sich auf die Zehenspitzen und begann mit den Armen zu flattern.
Die Münder weit geöffnet, starrten die Bürger hinauf, um ja nichts zu verpassen.
Till tat, als wolle er tatsächlich losfliegen, doch dann hielt er inne. Er fasste sich an den Kopf und rief: „Ich meinte immer, ich wäre der einzige Narr auf der Welt. Hättet ihr mir alle miteinander erzählt, dass ihr fliegen wolltet, so hätte ich es nicht für möglich gehalten. Und ihr glaubt einem, der als Schalk bekannt ist. Wie sollte ich fliegen können, da ich doch kein Vogel bin und keine Flügel besitze?“
Darauf stieg er vom Rathaus, drehte sich nicht weiter um und verließ die Stadt.
Fluchend und schimpfend begaben sich die Leute in ihre Häuser. Die meisten fühlten sich betrogen und wünschten Till dorthin, wo der Pfeffer wächst. Einige jedoch lachten und meinten: „Was wollt ihr, hat er euch nicht die Wahrheit gesagt?“

13.Geschichte

am 07. April 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel ein Osterspiel einübte

Kurz vor dem Osterfest nahm der Pfarrer Till zur Seite und sprach zu ihm: „Es ist bei uns Sitte, in der Osternacht ein Spiel zu geben. Am Anfang zeigt es den Engel, der zu den Frauen am Grabe des Herrn spricht, dann folgt die Auferstehung selbst. Bisher war es stets die Angelegenheit des Küsters, dieses Osterspiel einzuüben.“
Für ein Spektakel war Till immer zu haben. Ihm war jedoch noch schleierhaft, wie er den Bauern die lateinischen Texte beibringen sollte. Bald kam er auf den Gedanken, die Magd mitwirken zu lassen. Sie konnte lesen und schreiben. Mit diesem Vorschlag ging er zum Pfarrer. Dem war das nur recht, da die Magd alle Texte ohnehin auswendig wusste. Keines der Osterspiel war ohne sie ausgekommen, seit sie bei ihm war. Stets hatte sie den Engel gespielt.
Till suchte sich zwei junge Burschen, die mit ihm zusammen die drei Marien am Grab Jesu spielen sollten. Letztendlich war dann auch der Pfarrer bereit, als Jesus aus dem Grab zu steigen. Nun konnten die Proben beginnen. Beharrlich paukte Till den Bauernburschen die Frauenrollen ein, bis sie diese fehlerfrei rezitierten.
Zum Osterfest konnte es dann losgehen. Am Grab standen die drei Männer in Trauerkleidung. Der Engel kam und wollte in Latein wissen, was die drei hier suchten.
Die erste Maria entgegnete, so wie es ihr Till beigebracht hatte, sie suchten eine alte, einäugige Pfaffenhure.
Das verschlug der Magd die Sprache. Vor Wut schäumend sprang sie dem Bauernburschen an den Hals.
Der wusste nicht, wie ihm geschah. Verzweifelt setzte er sich zur Wehr und riss dabei dem Strafengel die Flügel ab. Den Pfarrer ließ diese Entweihung nicht im Grabe liegen. Er zog die Auferstehung vor und sprang seiner Magd bei. Kaum hatte er den Bauernburschen beim Schopf gepackt, da eilte diesem sein Kumpan zu Hilfe. Ein gut gezielter Fausthieb streckte den Pfarrer danieder. Einer der Unschuldsengel stolperte über ihn und über beide stürzte die erste Maria. Alsbald riss man der zweiten Maria die Trauerkleider vom Leibe, denn der Pfarrer bekam Verstärkung aus seiner Gemeinde. Die Bauern jedoch hielten zusammen und bald tobte eine wüste Schlägerei.
Allein Till hielt sich zurück. Hier und da teilte auch er aus, doch bevor das blutige Osterfest seinen Abschluss fand, machte er sich aus Kirche und Dorf davon. Buddenstedt ließ er für immer hinter sich und die Bauern mussten sich einen neuen Küster suchen.