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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

Archiv des Monats März 2010

12. Geschichte

am 30. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel um ein Fass Bier wettete

Das Küsteramt gefiel Till so gut, dass er es mit großer Freude verrichtete. Durch seine Vorliebe für Jahrmärkte und Kirmes war er im Gesang geübt. Die frommen Lieder schmetterte er mit einer Inbrunst, dass sich die Bauern darüber freuten.
Als der Pfarrer eines Tages vor dem Altar stand und sich auf die Messe vorbereitete, geschah es, dass ihm ein Furz entfuhr. Der Darmwind hallte in der Kirche wider, dass die Magd vor Schreck zusammenfuhr.
Till rümpfte die Nase und fragte: „Soll das etwa Euer Weihrauch für den Herrn sein?“
Dem Pfarrer war diese Frage alles andere als angenehm. Er räusperte sich und antwortete schroff: „Das hier ist meine Kirche und in dieser kann ich tun und lassen was ich will. Selbst wenn ich einen Haufen mitten hinein scheiße, ist das allein meine Sache.“
Diese Rede ließ Till bübisch grinsen.
„Auf das Ihr Euch dies nicht traut, wette ich ein Fass Bier.“
Der Pfarrer warf sich sogleich in die Brust.
„Ach ja?“ tönte er. „Die Wette gilt.“
Entschlossen bot er seine Hand und Till schlug ein.
Schnurstracks ging er ein paar Schritte in den Raum, hob das Messgewand, ging in die Hocke und schiss, von lautstarken Darmwinden begleitet, auf den Boden.
Die Magd wendete dieser Predigt angewidert den Rücken zu.
Nachdem der Pfarrer sein Geschäft verricht hatte, erhob er sich und zeigte stolz auf den stattlichen Haufen.
„Sieh, mein lieber Knecht“, sprach er, „du schuldest mir ein Fass Bier.“
Till entgegnete nichts darauf, sondern begann die Kirche mit gleichmäßigen Schritten in Länge und Breite auszumessen. Als er damit fertig war, zeigte er auf den Mittelpunkt.
„So leid es mir tut, lieber Herr, ihr habt nicht in die Mitte geschissen. Schon in der Länge fehlt ein Viertel. So wie es aussieht habe ich gewonnen.“
Nun riss der wütenden Magd der Geduldsfaden. Sie stemmte die Fäuste in die Seiten und keifte: „Es ist eine Schande, Herr Pfarrer, eine riesige Schande! Jagd diesen ekelhaften Flegel fort oder Ihr werdet ein schlechtes Ende nehmen.“
Der Pfarrer winkte ab: „Wettschulden sind Ehrenschulden.“ Er sagte Till das Fass Bier gleich nach der Messe zu.
An diesem Tag sang Till nicht nur anständig laut, sondern er bemühte sich auch und hielt den Ton.

11. Geschichte

am 22. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel zwei Hühner briet

Nach einer längeren Wanderung kam Till wieder in die Gegend von Braunschweig. In dem Dorfe Buddenstedt kannte man Till und seine Schelmereien noch nicht und so kam es, dass der Pfarrer des Dorfes Gefallen an ihm fand. Der gute Mann suchte einen Knecht und versprach Till einen guten Dienst bei gleicher Kost wie für sich und die Magd. Zudem sicherte er zu, dass alles mit halber Arbeit zu erledigen sei.
Das gefiel Till. Er nahm mit Handschlag an und sprach: „Ich will mich gewissenhaft nach euren Worten richten.“
Den Haushalt in der Pfarrei führte eine einäugige Magd. Sie mochte Till von Anfang an nicht und misstraute ihm. Als es zwei Hühner zu braten gab, stellte sie ihn an den Herd und trug ihm auf, den Bratenspieß zu drehen.
Till tat wie ihm geheißen. Fleißig wendete er die Vögel über dem Feuer, so dass sie nicht verbrannten. Wie er da so stand und drehte, sah er zu, wie sie immer knuspriger wurden. Der leckere Bratenduft stieg ihm immer fordernder in die Nase. Im begann das Wasser im Maule zusammenzulaufen. Er hielt es nicht mehr aus und riss sich einen Flügel ab. Flink hatte er ihn verspeist und bis auf die Knochen abgenagt. Nun war er aber erst auf den Geschmack gekommen.
„Mit einem Flügel lässt sich nicht gut fliegen“, sprach er für sich und brach sich den anderen Flügel ab. Allerdings konnte das Tills Gieper nicht stillen.
„Ob das Huhn gut durchgebraten ist oder nicht, prüft man am besten, wenn man hineinbeißt“, legte er fest und riss sich auch eine Keule ab. Schmatzend verschlang er das dampfende Fleisch und ließ sich die würzige Haut schmecken. Nun musste er jedoch feststellen, dass der Vogel völlig zerfleddert aussah.
„So geht das nicht. Die einäugige Magd merkt sofort, dass hier etwas nicht stimmt.“
Beherzt nahm sich Till die andere Keule und verschlang sie ohne zu zaudern. Damit war die Ungleichmäßigkeit beseitigt, doch einen wirklich guten Anblick bot das invalide Huhn nicht. Jetzt kam Till wieder in den Sinn, dass ihm der Pfarrer eine gleiche Kost wie für sich und die Magd versprochen hatte.
„Ach was“, sagte Till, „ich würde den braven Gottesmann doch Lügen strafen, wenn ich mir nicht meinen versprochenen Teil nehme. Folglich ist es weise gehandelt, wenn ich das eine Huhn ganz aufesse.“
Gesagt, getan und schon bald war das Huhn, bis auf die blankgenagten Knochen, in Tills Magen verschwunden. Noch leckte er sich die Finger, als die Magd in die Küche kam und zu ihm an den Herd trat.
„Es waren doch vorhin noch zwei Hühner auf dem Spieß“, sprach sie, „jetzt ist es nur noch eines da. Wo ist das andere geblieben?“
Till verwunderte sich sehr über ihre Rede
“Warum öffnet ihr nicht beide Augen, liebe Frau, dann würdet ihr auch beide Hühner sehen.“
Darüber erboste sich die Magd.
„So ein Schelm“, schimpfte sie und begab sich gleich zum Pfarrer, um sich bei ihm über den frechen Knecht zu beschweren.
Der Pfarrer zeigte sich verärgert und kam mit seiner Magd sogleich in die Küche.
„Weshalb treibst du Schabernack mit meiner Magd?“ wollte er von Till wissen.. „Ich sehe sehr wohl, dass nur ein Huhn auf dem Spieß steckt, obwohl es zuvor zwei waren.“
„Da habt ihr wohl recht, Herr“, entgegnete Till.
Nun war der Pfarrer verdutzt.
„Ja, wenn vorher zwei Hühner auf dem Spieß waren, wo ist dann aber das andere geblieben?“
Till grinste pfiffig.
„Aber das andere Huhn steckte doch auf dem Spieß, Herr. Ihr müsst nur beide Augen öffnen, dann seht ihr es. Genauso sagte ich es der Magd, darauf wurde sie wütend.“
Als der Pfarrer dies vernahm, musste er lachen.
„Du bist mir ein rechter Schelm“, gluckste er, „dann ist eben nur das eine Huhn da und das andere ist weg. Aber erkläre mir, wo ist das zweite geblieben?“
Nun konnte sich Till nicht mehr herausreden.
„Es ist tatsächlich so“, sprach er, „dass ich das eine Huhn gegessen habe. Ich tat es deshalb, weil Ihr mir versprochen habt, dass ich bei Euch genauso gut essen dürfe, wie Ihr und Eure Magd. Hättet Ihr die Hühner nun ohne mich verspeist, ohne dass ich etwas abbekäme, so wäret ihr ein Lügner. Das wollte ich nicht zulassen und aß das Huhn auf.“
Da dem Pfarrer die gewitzte Ausrede zusagte, beließ er es bei folgender Belehrung: „Es geht mir wahrlich nicht um das eine Huhn, mein lieber Knecht. Allerdings möchte ich, dass du nun immer das tust, was meine Magd gerne sieht.“
Till versprach, sich genau nach den Worten des Pfarrers zu richten. Die Gelegenheit dafür sollte er dann auch bald bekommen. Er erledigte alles halb, was ihm die Einäugige auftrug. Er holte nur zwei statt vier Scheite für den Herd oder brachte den Eimer Wasser nur zur Hälfte gefüllt. Ein Maß Bier ließ er in der Wirtschaft nur halb füllen und so setzte er es in einem fort.
Die Magd fühlte sich auf den Arm genommen. Sie ließ es sich Eulenspiegel gegenüber nicht anmerken, aber dem Pfarrer gegenüber beschwerte sie sich von Mal zu Mal. Als die Klagen dann zu heftig wurden, sah sich der Pfarrer genötigt, Till ins Gebet zu nehmen.
„Mein lieber Knecht“, begann er, „die Magd beklagt sich Tag für Tag über dich. Bat ich dich nicht, alles so zu tun, wie sie es gerne sieht?“
Till zeigte sich verzweifelt, als er anhob, darauf zu antworten: Aber ja, Herr Pfarrer, so habe ich es getan. Erstens hattet Ihr mir versprochen, alles könne mit halber Arbeit erledigt werden. Zweitens solle ich tun, wie Eure Magd sieht. Ihr eines Auge jedoch kann sicher nur die Halbe Arbeit sehen.“
Da der Pfarrer selbst einem Spaß nicht abgeneigt war, wollte er Till nicht gram sein. Jedoch war mit der Magd nun kein gutes Auskommen mehr.
„Herr Pfarrer“, rief sie mit bebender Stimme, „ich kann mit diesem lächerlichen Buben keinen weiteren Tag mehr unter einem Dach verweilen. Entweder Ihr trennt Euch von ihm oder von mir.“
Dies wollte der Pfarrer natürlich nicht. Da vor kurzem der Küster des Dorfes verstorben war, ging er zu den Bauern und verhandelte mit ihnen, damit er seinen Knecht für diese Stelle berufen konnte. Nach einigem hin und her kamen sie überein und Till wurde Kirchendiener in Buddenstedt.

10. Geschichte

am 16. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie sich Eulenspiegel Henep mit Senep verwechselte

Auf seinem Weg kam Till an einer Burg vorbei. Es war Mittag und ihm knurrte schon seit einiger Zeit der Magen. So ließ ihn sein Hunger auf den Gedanken kommen, sich auf der Burg zu verdingen. Der Junker suchte auch gerade einen neuen Hofjungen und so kam ihm Till gerade recht.
Am nächsten Tag sollte Till mit seinem neuen Herrn ausreiten und ihm die Lanze nachführen. Als sie ein Stück Weges hinter sich gebracht hatten, kamen sie an einem Feld vorbei. Der Junker wendete sich an Hofjungen und fragte: „Ist dir das Kraut bekannt, das hier steht?“
Till wusste wohl, das es Hanf war und in dieser Gegend Henep genannt wurde.
Der Junker hob bedeutungsvoll den Finger und sprach: „Wenn du, egal wo, auf Henep triffst, dann scheiß hinein. Aus dem Bast dieses Krautes werden die Stricke für Räuber und andere Galgenvögel gefertigt.“
Till sagte zu, sich an das Wort seines Herrn zu halten, zumal dieser selbst aus Gewohnheit stahl und plünderte.
Es kam einmal vor, dass es für Till nichts zu tun gab. Ziellos streunte er auf der Burg herum und irgendwann bekam er aus Langeweile Appetit. Also schlich er sich in die Küche und schaute nach, ob es einen Happen zu ergattern gab. Der Koch erwischte ihn jedoch und spannte ihn sofort ein, dass er einen Topf Senep hole. Nun kannte Till Senep nicht und wusste auch nicht, wozu dieser taugte. Als er den Topf nun aus dem Keller holte, glaubte er der Koch hätte sich versprochen und Henep gemeint. So stellte Till den Topf auf den Boden, hockte sich darüber und schiss hinein. Danach rührte er alles um und brachte es dem Koch in die Küche. Der gab es ahnungslos zu den Speisen, die er für das Gelage des Junkers mit seinen Gästen zubereitete.
Im Saal an der langen Tafel ging es hoch her. Die Gäste aßen und tranken. Scherzworte flogen hin und her. Herzhaft tunkten die Herrschaften das Fleisch in den Senf, bevor sie es sich in den Mund steckten. Die ersten wunderten sich über den merkwürdigen Geschmack. Dann begannen sie das Zeug voller Ekel auszuspucken.
Erbost rief der Junker nach dem Koch und forderte ihn auf, von dem Senf zu kosten.
Der nahm einen fingervoll, doch als er es auf der Zunge hatte, begann er es auszuspeien.
„Das… das schmeckt, als… als hätte jemand hineingeschissen“, stotterte er.
Till konnte nicht anders, als laut aufzulachen.
Aufgebracht wendete sich der Junker an seinen Jungen und forderte von ihm, ebenfalls eine Probe zu nehmen.
Angeekelt entgegnete Till: „Wozu soll ich das Zeug probieren, Herr, denn ich weiß, wonach es schmeckt. Ich selbst habe auf Euer Geheiß hineingemacht. Ihr selbst sagtet mir, ich solle in den Henep scheißen, wo…“
Wutentbrannt nahm der Junker sein Messer, um damit auf Till loszugehen.
„Warte mein Bürschchen“, rief er, „dir werde ich’s zeigen. So dumm wie du, kann keiner sein.“
Till wartete nicht, bis ihn der Junker schnappte. Wieselflink huschte er davon und verließ die Burg auf schnellstem Wege.

9. Geschichte

am 07. März 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel in einem Bienenstock nächtigte

Des schönen Wetters wegen begaben sich Eulenspiegel und seine Mutter zu einem Jahrmarkt in eines der benachbarten Dörfer. Sie waren guter Dinge und so hielt sich die Mutter mit Vorhaltungen gegenüber ihrem Sohn zurück.
Die Leute kamen aus der ganzen Umgebung. Auf dem Dorfplatz waren Buden aufgebaut und es wurde allerlei Zeug verkauft. Eine Weile ging Till noch mit seiner Mutter, doch bald fand er eine andere Richtung und landete in einem Wirtshaus. Es wurde getrunken, gewürfelt und getanzt. Auch Till schwang mit einer drallen Magd das Tanzbein, doch viel lieber hob er den Bierkrug. Die Zeit verging und es wurde Abend. Sonst um kein Wort verlegen, spürte Till die Müdigkeit und das Necken und Spaßen fiel ihm zunehmend schwerer. Er ging hinaus und hielt nach einem Ort, wo er ungestört ein Nickerchen halten konnte, Ausschau. In einem Bauerngarten fand er einige leere Bienenkörbe aufgereiht. Er überlegte nicht lange und kroch in einen, den er für den bequemsten hielt. Bald darauf schlief er ein.
Zur Mitternacht, als die Leute schon längst nach Hause gegangen waren, schlichen zwei Diebe durch das Dorf. Der Mond stand hoch und so fanden sie sich gut zurecht. Als sie die Bienenkörbe sahen, blieben sie stehen.
„He, lass uns von dem Honig nehmen“, flüsterte der eine.
„Gut, dann holen wir uns den schwersten Korb, denn darin wird der meiste Honig sein“, wisperte der andere zurück.
Nacheinander hoben sie die Bienenkörbe an, bis sie auf den mit Till darin stießen.
„Der hier ist der beste“, stellten die zwei gemeinsam fest.
Sie steckten den Korb auf einen kräftigen Stock. Der eine fasste vorne, der andere hinten an und sie hoben die Last gemeinsam auf ihre Schultern. So schlichen sie sich aus dem Dorf hinaus.
Till, der darüber wach geworden war, verhielt sich mucksmäuschenstill und dachte nach, was er tun sollte.
Bald legten sich Wolken vor den Mond und es wurde stockfinster.
Die Diebe stolperten und fluchten. Da kam Till ein Gedanke. Er streckte vorsichtig die Hand heraus und griff dem Vordermann kräftig ins Haar.
„Warum ziehst du mir an den Haaren?“ rief der und strauchelte.
„Du träumst wohl. Pass lieber auf, wohin du trittst“, entgegnete der andere.
Dieser Streit war ganz nach Tills Gefallen. Nach einer Weile fingerte er nach dem Bart des Hintermannes und riss derb daran.
„Bist du von Sinnen!“ brüllte der stolpernd.
„Was willst du?“ fragte der andere gereizt.
„Du hast mir am Bart gezogen“, schimpfte der Hintermann.
„Wie soll ich nach hinten greifen und dir am Bart ziehen können?“ wollte der Vordermann wissen.
Die Worte flogen hin und her. Die Unflätigkeiten nahmen zu und die beiden gerieten immer mehr gegeneinander in Zorn. Dann warf der eine den Stock von der Schulter, so dass der andere mitsamt der Last fast in den Weggraben gestürzt wäre. Nun war kein Halten mehr, die beiden Diebe gingen aufeinander los. Blindlings zimmerten sie sich die Fäuste ins Gesicht.
Till, der mit dem Bienenstock einigermaßen sanft in den trockenen Graben gepurzelt war, lachte sich heimlich ins Fäustchen.
Die Streithähne prügelten sich weiter, bis einer von ihnen wegzulaufen begann. Das Schimpfen des anderen hallte noch einige Zeit durch die Nacht, bis auch das verstummte.
Till, dessen Kopf vom Bier noch immer brummte, kauerte sich in dem Korb zusammen und schlief bis zum Morgen seinen Rausch aus.
Als er dann, vom Vogelgezwitscher geweckt, aus seinem Nachtquartier hervor kroch, besann er sich eine Weile. Auf dem Weg fand er noch einen Zahn. Dann kam er zu einem Entschluss. Er wollte sein zu Hause verlassen. Es war ihm einfach zu eng dort. Ohne weiter zu zögern nahm er den Weg, auf den ihn die beiden Strauchdiebe gebracht hatten.