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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

Archiv des Monats Februar 2010

8. Geschichte

am 28. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie sich Eulenspiegel an dem Geizkragen rächte

Gleich am Tage nach dem Schlachtfest begegnete Till dem geizigen Bauern. Der blieb grinsend auf der anderen Straßenseite stehen und rief höhnisch: „He, Eulenspiegel, wann kommst du mal wieder zu einem Weckenbrot vorbei?“
Heimlich knirschte Till mit den Zähnen, doch lächelte er, als würde er die Striemen auf dem Rücken nicht mehr spüren. „Ich werde kommen“, rief er zurück; „wenn sich deine Hühner um ein Stück Brot zanken.“
Der Geizkragen stutzte, doch dann winkte er selbstgefällig ab.
„Ach was, Eulenspiegel, darauf kannst du lange warten.“
Till wurmte diese Antwort und er wollte den Mann nicht beruhigt ziehen lassen.
„Sei gewiss, dass ich komme, auch wenn die Zeit für das Weckbrot noch nicht heran ist.“
Kopfschüttelnd ließ der Bauer Eulenspiegel stehen und ging nach Hause.
An einem der folgenden Tage lag Till vor dem Haus des Geizkragens gut versteckt auf der Lauer. Er wartete, bis dessen Hühner ihr Futter auf der Straße suchten. Für diesen Fall hatte er zwanzig Schnüre zugeschnitten und jeweils zwei kreuzweise miteinander verknotet. An jedes Ende der Schnüre war ein Stückchen Brot gebunden. Geschickt hatte er seine Fallen ausgelegt. Als nun die Hühner die Brotstücken auf der staubigen Straße entdeckten, stürzten sie sich gierig darüber und pickten sie auf. Doch so sehr sie auch schluckten, immer stand ihnen ein anderes Huhn entgegen und zerrte ihnen den Bissen wieder aus dem Schlund. So plagten und rackerten sie sich gackernd ab, ohne das eines den Bissen herunterbekam. Dies währte solange, bis das Federvieh völlig ermattet und an Erschöpfung verendete war.
Sich ins Fäustchen feixend schlich Till darauf nach Hause.
Als der geizige Bauer am Abend dann nach seinen Hühnern schaute, sah er sie nicht auf ihrer Stange. Er wunderte sich und ging sie suchen. Vor seinem Haus sah er dann die Bescherung. Vierzig Hühner, jedes mit einer Schnur im Schnabel, lagen vor ihm im Staub. Ihm schwante, dass nur Eulenspiegel dies getan haben konnte. Wütend schüttelte er seine Fäuste und schimpfte wie ein Rohrspatz.

7. Geschichte

am 21. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel zum Essen geprügelt wurde

Seit langem pflegte man in dem Dorf, in dem Till mit seiner Mutter wohnte, einen schönen Brauch. Wenn ein Schwein geschlachtete wurde, musste dessen Besitzer den jungen Leuten des Ortes das Weckbrot geben. Dies war eine warme Suppe mit Wurst und eingebrocktem Brot.
In dem Dorf gab es einen Geizkragen, der sich über diesen alten Brauch ärgerte. Wenn er den Kindern die freie Kost schon nicht verweigern konnte, so wollte er sie ihnen jedoch gründlich verargen. Schon lange vor dem Schlachtfest begann er altbackenes Brot zu sammeln. Er tat es in einen Bottich, bis dieser am Tag des Schlachtens voll war. Wie es nun der Brauch war, kamen an diesem Tage die jungen Leute aus der Umgebung und forderten ihr Weckbrot ein. Verstellt freundlich empfing sie der Bauer und bat sie zu sich herein. Als er hinter ihnen die Tür fest verschlossen hatte, goss er über das alte Brot die dampfende Wurstbrühe. Heimlich grinsend forderte er nun die Kinder auf, sich etwas von dem Weckbrot zu nehmen. Alle hatten Hunger und schlugen kräftig zu. Zum Ende jedoch wurde es zuviel und sie schafften den Bottich nicht. Darauf hatte der Bauer gewartet. Er griff nach einer Gerte. Wollte eines der Kinder den Löffel zur Seite legen, gab es eins auf den Buckel. Dabei lachte der Knauser laut, wobei er ganz besonders auf Till Eulenspiegel ein Auge geworfen hatte. Dem Schelm wollte er nun seine Schalkheiten austreiben. So viele Hintern er auch versohlte, Till bevorzugte er ganz besonders. Erbarmungslos trieb der Knauser die Kinder immer wieder an den Trog. Dies tat er solange, bis dieser restlos ausgelöffelt war. Den Kindern bekam dieses Weckbrot, wie dem Hund das Gras. Sie hielten sich jammernd den schmerzenden Leib, wobei sie nicht wussten, ob ihnen die Bäuche oder die Hintern mehr wehtaten. Mit Kotzen und Ekelfieber plagten sie sich die ganze Nacht hindurch. Till musste noch lange seine Striemen kurieren, die in allen Farben sein Hinterteil zierten.
Der Knauser dagegen war zufrieden. Er brauchte seitdem kein Weckbrot mehr auszugeben.

6. Geschichte

am 12. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel einen Bäcker prellte

Während sich Till die brennende Wange rieb, dachte er bei sich; Lieber Gott, hilf mir, dass ich für die Mutter zum Abend Brot bekomme, dann wird sie sehen, dass ich recht hatte.
Ohne sich weiter mit den Schuhen aufzuhalten, erhob er sich und verließ das Haus. Er ging nach Helmstedt, wo ein vermögender Bäcker seinen Laden betrieb. Till betrat das Haus des Bäckers und stellte sich bei ihm als Knecht eines wohlbekannten, reichen Herrn aus Magdeburg vor. Er behauptete, dieser sei in der besten Herberge der Stadt abgestiegen und wünsche für zehn Schilling Weizen und Roggenbrot.
„Ich brauche euren Lehrjungen“, behauptete Till selbstbewusst, „damit er mir beim Tragen hilft und in der Herberge das Geld entgegennehmen kann.“
Erfreut über das gute Geschäft, zählte ihm der Bäcker die gewünschten Brote in einen Sack, den Till mitgebracht hatte. Dieser Sack besaß ein Loch, das Till geschickt mit der einen Hand verschlossen hielt. Als er nun zusammen mit dem Lehrjungen den Laden verlassen hatte und ein Stück Weges gegangen war, ließ er durch das Loch eines der Brote in den Dreck fallen. Till blieb stehen und sprach zum Jungen: „So kann ich unmöglich meinem Herrn das Brot bringen. Lauf zurück zu deinem Meister und tausche das schmutzige Brot. Ich will hier so lange auf dich warten.“
Arglos tat der Lehrling, wie ihm geheißen. Als er jedoch mit dem getauschten Brot zurückkam, war Eulenspiegel verschwunden. Dem Jungen wurde flau im Magen, denn ihm ging nun auf, dass er über den Löffel barbiert wurde. Mit eingezogenem Kopf ging er zu seinem Meister zurück und erzählte ihm vom Verschwinden des Knechtes. Ohne viel Worte bekam er eins hinter die Ohren und der Bäcker selbst machte sich auf den Weg in die Herberge. Dort jedoch wusste man nichts von einem reichen Herrn aus Magdeburg. Der Bäcker raufte sich die Haare und verfluchte lauthals den niederträchtigen Betrüger.
Till war mittlerweile schon ein gutes Stück Weges weit weg von Helmstedt. Er wurde von einem Pferdekarren überholt, der in Richtung seines Dorfes unterwegs war. Ohne zu fragen, warf er den Brotsack auf das Gefährt und ging ein Liedchen pfeifend hinterher. Kurz bevor er zu Hause ankam, nahm er den Sack wieder vom Karren. Froh gelaunt betrat er seine Wohnung. Sogleich kam die Mutter und wollte ihm Vorhaltungen machen. Da packte er den Sack vor ihr aus und sprach: „Iß, wenn du hast. Faste wenn du musst.“

5. Geschichte

am 05. Februar 2010 unter Eulenspiegel abgelegt

Wie Eulenspiegel seine Mutter verärgerte

Wie Till dort saß und die Schuhe reparierte, erwachte in seiner Mutter neue Hoffnung. Sie dachte bei sich, vielleicht wird aus dem Jungen doch noch etwas anständiges. Eifrig sprach sie auf ihn ein und versuchte ihm den einen oder anderen Beruf schmackhaft zu machen. Handwerk hat goldenen Boden, sprach sie immer wieder, doch Till schwieg und nähte still an den Schuhen weiter.
„Weißt du, mein Sohn“, sagte seine Mutter, „es wäre doch schön, wenn du ein Schuhmacher würdest. Schuhe werden immer gebraucht. Vielleicht beim Meister Bertram, der sucht noch einen Lehrjungen.“
Till schwieg und arbeitete, als hätte er nichts gehört.
Darüber wurde seine Mutter zornig.
„Du Taugenichts“, schimpfte sie, „andere Mütter haben Kinder, die für sie im Alter sorgen. Mein Sohn dagegen lässt mich verhungern.“
„Lass gut sein, Mutter“, entgegnete Till seelenruhig, „gut Ding will eben Weile haben.“
Diese Gelassenheit brachte sie nun erstrecht auf.
„Du bist nicht nur ein Faulpelz, sondern auch ein Vielfrass“, schimpfte sie, „Du hast dir heute morgen den letzten Kanten Brot genommen. An mich hast du dabei nicht gedacht. Den lieben langen Tag verbringst du damit, dir schlechte Scherze auszudenken. Wie willst du durchs Leben kommen?“
Till kam ganz nach seiner Mutter und wollte nicht nachgeben. So schaute er von seiner Arbeit auf und spulte seine Sprüchlein herunter.
„Iß, wenn du hast. Faste, wenn du musst. Siehst du, liebe Mutter, am Morgen hast du gefastet, nun sorge dich nicht und warte auf den Abend, der dir den Tisch decken wird.“
Dies brachte seine Mutter nur noch mehr auf und sie geriet derart in Rage, dass sie ihm eine schallende Ohrfeige verpasste.
„Das ist der Lohn fürs Fasten!“ schrie sie und ging in die Küche.