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Mit diesem Blog möchte ich einem lang gehegten Wunsch, die Abenteuer des Till Eulenspiegel niederzuschreiben, nachgehen. Dabei halte ich mich an die alten Überlieferungen, die ich in Anekdoten mit meinen Worten wiedergebe.

3. Geschichte

am 07. Februar 2010 unter Allgemein abgelegt

Wie Eulenspiegel vom Seil stürzte

Till konnte von seine Streichen und Tollereien nicht lassen. Bald kam die Familie darüber in Verruf und niemand wollte mehr etwas mit ihnen zu tun haben. So zog Claus Eulenspiegel mit Weib und Kind aus Kneitlingen fort. Nicht weit von Helmstedt, in dem Dorfe, aus dem Tills Mutter stammte, fanden sie eine neue Bleibe. Kaum jedoch hatten sie ihren Hausrat herbeigeschafft und sich einigermaßen eingerichtet, da wurde Claus Eulenspiegel krank und starb. Der Familie fehlte der Ernährer. Nicht lange und die Armut kehrte bei ihnen ein. Es fehlte am Nötigsten. Dazu sträubte sich Till auch noch, ein Handwerk zu erlernen. Dabei war er schon Sechzehn. Es gefiel ihm jedoch viel besser, in den Tag hinein zu leben und sich immer wieder neue Streiche auszudenken.
Eines Tages kam er auf den Gedanken, ein Seiltänzer zu werden. Er, hoch über den Köpfen der Leute, wobei ihm diese staunend zujubelten. Hinter seinem Hause floss ein Bach, an dessen anderem Ufer ein Baum stand. Dort hinüber wollte Till ein Seil spannen. Auf diesem könnte er dann die verschiedensten Kunststücke vorführen. Als er seiner Mutter von dieser Absicht erzählte, drohte ihm diese ohne viel Umschweife Prügel an, würde sie ihn dabei erwischen. Sie wollte keinen Gaukler zum Sohn haben.
Till dachte nicht daran, von seinem Entschluss abzulassen. Heimlich übte er auf dem Dachboden. Seine Mutter kam ihm jedoch auf die Schliche. Mit einem großen Holzlöffel bewaffnet, stahl sie sich leise nach oben und ging auf ihn los. Er war jedoch flinker und flüchtete durch das Fensterloch hinaus aufs Dach. Dort dachte er dann bis zum Abend darüber nach, wie er weiter vorgehen sollte.
Eines Tages, als die Wogen sich etwas geglättet hatten, spannte er tatsächlich das Seil über den Bach. Eine Weile turnte er darauf herum und es dauerte nicht lange, bis die Leute neugierig herbeikamen. Staunend reckten sie die Hälse und gafften. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch seine Mutter davon Wind bekam. Die schlich sich voller Ärger darüber, dass sie diese Posse nicht hatte verhindern können, auf den Dachboden und schnitt das Seil ab. Kopfüber stürzte Till in den Bach. Es platschte laut und das Wasser spritzte zu allen Seiten, dass die Leute vergnügt aufschrieen. Als Till patschnass aus dem Bach stieg, war er das Ziel von Hohn und Spott. Vor allem die Jungen stichelten ihn.
„He, Eulenspiegel“, riefen sie, „wie bekommt dir das Bad. Hast ja lange genug darum gerungen.“
Wie ein begossener Pudel ging er in das Haus, wo er dann auch noch von seiner Mutter eine ordentliche Maulschelle einfing.
Wutschnaubend verkroch er sich und dachte darüber nach, wie er es den Dorfbewohnern doppelt und dreifach zurückzahlen konnte.

2. Geschichte

am 26. Januar 2010 unter Allgemein abgelegt

Wie sich Till Eulenspiegel als Schalk hervortat

Von Anfang an war Till ein lebhaftes Kind. Kaum konnte er stehen und laufen, tobte er mit den anderen Kindern durch das Dorf. Das war noch bis zu seinem dritten Lebensjahr possierlich anzuschauen, doch als er älter wurde, liefen seine Tollheiten immer mehr aus dem Ruder. Die Späße wuchsen sich zu immer größer werdenden Ärgernissen aus. Bald beklagten sich die Nachbarn bei seinen Eltern. Claus Eulenspiegel ließ jedoch nichts auf seinen Sohn kommen. Für ihn war Till ein, wenn auch zuweilen übermütiger, so doch lieber Junge. Als sich die Beschwerden über sein Kind allerdings mehrten, nahm er den Jungen beiseite und fragte ihn, wie es käme, dass ihn die Leute im Dorf alle einen Schalk schimpften. Till war alles andere als schüchtern und entgegnete, er tue niemanden etwas. Als der Vater jedoch nicht locker lassen wollte, schlug der Junge vor, ihm seine Unschuld zu beweisen. Dazu solle der Vater das Pferd satteln und ihn hinten mit aufsitzen lassen. So wollte er mit ihm still und brav durch das Dorf reiten. Zuletzt sprach er: “Du wirst sehen, lieber Vater, dass die Leute mich gleichwohl verleumden und weiter üble Nachrede halten.”
Da der Vater seinem Jungen gerne glauben wollte, tat er, wie ihm dieser vorgeschlagen hatte. So ritten sie nun still und ruhig durch den Ort. Eine Weile wartete Till noch, doch dann begann er den vorbeigehenden Leuten sein blankes Hinterteil zu zeigen. Die blieben stehen und schimpften. Vor allem die Weiber zeterten und riefen: “Pfui Deibel, schäm dich du arger Schalk!”
Über diese Reden war der Vater baff erstaunt. Dies nutzte Till und sprach: “Hörst du’s, lieber Vater? Still und ruhig sitze ich hinter dir und tue niemanden etwas zuleide. Die Leute jedoch schimpfen mich einen Schalk.”
Das war dem Vater nicht geheuer. Er setzte seinen Sohn vor sich. Dieser war darüber alles andere als verlegen. Nun begann er den Entgegenkommenden grässliche Fratzen zu schneiden und streckte ihnen dreist die Zunge aus.
Erbost blieben die Leute stehen. Sie drohten und schimpften: “Du Lausebengel! Du arger Schalk!”
Über dies betrübte sich Claus Eulenspiegel sehr und ihm wurde weh ums Herz. Wieder zu Hause nahm er seinen Sohn und sprach: “Wie traurig musst du sein, mein Kind. Du tust niemandem etwas zuleide, trotzdem schelten dich alle einen Schalk. Unter welchem Unglücksstern bist du nur geboren?”

1. Geschichte

am 20. Januar 2010 unter Allgemein abgelegt

Wie Eulenspiegel geboren und dreimal getauft wurde

Mitten im grünen Wald des Höhenzuges Elm, östlich von Braunschweig, liegt das Dorf Ampleben. Vor gut siebenhundert Jahren saß dort der gefürchtete Burgherr, Till von Uetzen, auf seinem Raubschloss. Keine Viertelstunde Weges davon entfernt lag der Flecken Kneitlingen. Hier wohnte Claus Eulenspiegel.
In dem Jahr, als Papst Bonifatius VIII. in Rom das erste christliche Jubeljahr verkündete, genas Claus Eulenspiegels Weib, Anna Wibeken, an einem Jungen. Der Vater war voller Stolz und es kam ihm in den Sinn, dass er für seinen Sohn etwas Besonderes tun müsse. So verfiel er dem Gedanken, dass sein Kind den Namen Till des Herr von Uetzen erhalten müsse. Er machte sich also auf den Weg ins Schloss und so kam es dass der Burgherr der Taufpate des Jungen wurde.
Die Taufe des Kindes, welches nun einen solchen wohlhabenden und gefürchteten Namensvetter besaß, musste gebührend gefeiert werden. Als man die Schlosskapelle, in der das Kind vom Abt des Braunschweiger Aegidienklosters, Arnold Papenmeyer, getauft worden war, verließ, begab man sich sogleich ins Wirtshaus. Dort ließ Claus Eulenspiegel für seine Gäste reichlich auftragen. Das gute Braunschweiger Bier floss in Strömen. Kanne um Kanne wurde auf das Wohl des Kindes geleert. Es war eine fröhliche Gesellschaft und zum Abend gab es keinen, der sich ohne Schwanken auf den Beinen halten konnte. Im Dunkeln ging es dann zurück nach Kneitlingen. Der Weg dorthin führte an einem Tümpel vorbei. In der Dunkelheit und dem Fackelschein, kam es immer wieder vor, dass einer der Gäste vom Wege abkam und in den Graben purzelte. Gerade als man den Tümpel passierte, verlor die Hebamme, die Till Eulenspiegel auf dem Arm trug, den Tritt und stürzte koppheister in das schlammige Gewässer. Ein Aufschrei ging durch die Gesellschaft. Der Vater war sogleich zur Stelle, um zusammen mit ein paar helfenden Händen die Frau samt dem Kinde aus dem moderigen Wasser zu ziehen. Es war zum Glück nichts weiter geschehen, als dass die beiden nass geworden waren. Sie stanken erbärmlich nach dem faulen Uferschlamm. Stracks ging es nach Hause, wo sogleich ein Kessel mit Wasser über das Feuer gehängt wurde, um dem Jungen ein warmes Bad zu bereiten. Nachdem das Kind gebadet und frisch gewickelt war, konnte man es wieder mit Wohlgefallen anschauen und beriechen.
So war es geschehen, dass der kleine Till an einem Tage dreimal getauft wurde; zuerst in der Schlosskapelle, dann im Drecktümpel und schließlich im warmen Wasser des Badebottichs.